Unterstützungskreis möchte "einer verabscheuungswürdigen Tat entgegentreten"

Protestaktion gegen Hass in Bad Emstal: Hunderte machten mit

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Klares Votum: Hunderte Bad Emstaler machten klar, was sie von den fremdenfeindlichen Schmierereien halten. Fotos:  Hoffmann

Bad Emstal. Am 3. Oktober haben Unbekannte Nazisymbole an ein Haus geschmiert, in dem eine syrische Flüchtlingsfamilie wohnt. Nun kamen hunderte Emstaler zusammen, um gegen Hass zu protestieren.

Kaum hatte sich Bad Emstal Anfang des Monats mit einem Fest der Begegnungen als toleranter Ort präsentiert, da bekam das Bild auch schon einen hässlichen Riss. Unbekannte schmierten am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, Hakenkreuzeund andere Nazisymbole an ein Haus in der Schulstraße im Ortsteil Sand, das seit mehreren Wochen von einer syrischen Flüchtlingsfamilie bewohnt wird.

„Wir müssen dieser feigen und verabscheuungswürdigen Tat entgegentreten“, reagierte der Unterstützungskreis für die Bewohner des Lenchen-Heitmann-Hauses prompt in einem Aufruf zur Protestaktion, der am Sonntagabend schließlich Hunderte Emstaler am Ort des Geschehens demonstrieren ließ, darunter auch zahlreiche Jugendliche, die ihre Wut nicht verstecken wollten.

„Menschenrechte statt rechte Menschen“, forderten da etwa die Freundinnen Paula Unseld und Jette Hollmann auf einem selbstgemalten Transparent. „Wir finden es einfach nicht in Ordnung, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt werden, jeder hat das Recht, hier zu sein“, sagte die 13-jährige Paula, für die es eine Selbstverständlichkeit war, gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Kirche sowie von der Krankenhausgesellschaft Vitos, dem größten Arbeitgeber vor Ort, ein Zeichen gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit zu setzen und so zu zeigen, dass Bad Emstal für andere Werte steht.

Leiser Protest: Viele Emstaler brachten Kerzen mit.

„Hakenkreuze dürfen insbesondere in einer Gemeinde mit einer psychiatrischen Klinik, aus der während des Naziregimes hunderte psychisch kranke und behinderte Menschen in Tötungsanstalten geschickt oder dem Hungertod überlassen wurden, nicht geduldet werden“, machte Joachim Hübner vom Unterstützerkreis unmissverständlich klar.

Bad Emstal dürfe sich nicht von den „ewig Gestrigen“ vereinnahmen lassen, das wahre Gesicht der dörflichen Gemeinschaft sei glücklicherweise ein anderes. Das sieht auch Bürgermeister Ralf Pfeiffer (parteilos) so: „Wir stellen uns ganz klar gegen rechtes Gedankengut, Hetze und Gewalt, sind bereit, unsere Freiheit und Demokratie zu verteidigen.“

Zutiefst erschrocken vom Terrorakt zeigte sich Dekan Dr. Gernot Gerlach, der den oder die Täter direkt ansprach und ihnen gestand: „Ich habe Angst.“ Angst, die er seit vielen Jahren in der Region spüre. Er sei beunruhigt, wie viele Menschen aus einst Geschehenem noch immer nichts gelernt hätten, gleichzeitig aber auch froh, dass es Menschen gebe, die sich wehrten.

„Diese Mahnwache ist für mich Ausdruck dafür, dass wir aufstehen, aufeinander zutreten und mit ganzer Kraft Nein sagen zu Hass, und Ja zum Miteinander.“

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