„So was habe ich noch nie erlebt“

Krawalle nach Trumps Sieg: Bad Emstalerin berichtet aus Los Angeles

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Wut über Trump: Vor der Stadthalle in Los Angeles versammelten sich Demonstranten und entfachten Feuer. Später rückte die Polizei an, um das Feuer zu löschen. Tausende protestierten in den Straßen der Innenstadt. Auch in anderen Teilen der USA kam es zu Protesten und Ausschreitungen.  

Kreis Kassel. Carolin Belcher lebt in Los Angeles.  Am Telefon erklärte sie, dass die Anfeindungen beider Lager überall, sogar schon bei den Schülern spürbar seien.

Die Präsidentenwahl ist auch an Carolin Belcher aus Los Angeles (Kalifornien) nicht spurlos vorüber gegangen. Die Wahl-Amerikanerin stammt aus Bad Emstal und lebt seit zwölf Jahren mit ihrem amerikanischen Mann und ihren drei Kindern in den USA. Am Telefon erklärte Belcher, dass die Anfeindungen beider Lager überall, sogar schon bei den Schülern spürbar seien.

Ein Selfie für die HNA: Carolin Belcher informiert uns über die aktuelle Situation.

Belchers Sohn ging vor der Wahl mit einem roten T-Shirt in die Schule – an sich nichts Besonderes. Doch für viele sei dies ein Zeichen, dass der Schüler Trump unterstützt. In Kalifornien, einer Bastion der Demokraten, sei das ein Affront. Dabei sind Belcher und ihre Kinder nach eigenen Angaben Clinton-Anhänger. „Mein Sohn wurde also nur aufgrund seiner T-Shirt-Farbe von Mitschülern angefeindet.“

Belchers Mann sei zwar Republikaner – hielt Donald Trump aber als ungeeignet für das Amt des Präsidenten, berichtet die 35-Jährige. Trotzdem sei er am Wahlabend im Trump-Fieber gewesen. Belcher ist indes schockiert, wie Trump die Menschen in seinen Bann gezogen hat: „Viele meiner Freunde haben ihn gewählt, auch welche, von denen ich es nie gedacht hätte.“

Die ersten Auswirkungen der Wahl spürt Belcher bereits. In Oakland (Kalifornien) kam es zu Ausschreitungen, eine Frau wurde angefahren. Nun befürchtet die dreifache Mutter, dass sich die Situation noch verschärfen könnte. Die Krawalle würden belegen, dass Trump die Nation spaltet. „In zwölf Jahren habe ich so eine Wahl noch nie erlebt. Der Hass ist sehr extrem“, sagt Belcher, die bei einem deutsch-amerikanischen Unternehmen beschäftigt ist und Reiseführer schreibt.

Eine Freundin, berichtet Belcher, ist mit ihrem Mann, einem Südafrikaner, aus der Schweiz nach Los Angeles gezogen: „Sie wollten den Vorurteilen und dem Rechtsdruck in der Schweiz entkommen.“ Nun überlegten sie, die USA wieder zu verlassen – wie so viele von Belchers ausländischen Freunden und Bekannten. Sie selbst glaubt auch, dass die heftigen Reaktionen erst der Anfang sind. Viele in den USA seien rassistisch und sexistisch. Sie hoffe aber auch, dass die Amerikaner Respekt zeigen und die Meinung anderer akzeptieren können. Über die Entwicklungen wird Carolin Belcher uns weiter informieren.

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