Von Plünderern und Hehlern - Ausstellung beleuchtet Verlust von Kulturgütern

+
Ab Montag kann sie besucht werden: Die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ ist im Foyer der Christine-Brückner-Schule Bad Emstal. Sie informiert über Raubgrabungen, den Verlust von Kulturgütern und den Kampf der Polizei, Antikhehlern das Handwerk zu legen. Jan Schütte und Gülistan Hannan, Schüler der Klassenstufe 6, sahen sich ebenfalls die Schautafeln an.

Bad Emstal. In eine außergewöhnliche Ausstellung können sich Besucher derzeit im Foyer der Christine-Brückner-Schule Bad Emstal vertiefen.

Auf mehreren Säulen und Plakaten wird unter dem Titel „Kriminalarchäologie“ über Raubgrabungen, illegalen Antikenhandel, den Verlust und die Zerstörung von Kulturgut informiert. Die spannende Dokumentation ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz (RGZM), des Hessischen Landeskriminalamtes in Wiesbaden und neben weiteren Partnern auch der irakischen Botschaft. Über sieben Millionen Menschen haben unter anderem in den Flughäfen Frankfurt/Main und München sowie im Mainzer Hauptbahnhof die Ausstellung gesehen. Nun ist sie für vier Wochen zu Gast im Wolfhager Land. Und wie um die Bedeutung des Themas zu untermalen, sangen die Schüler der Klassenstufe 6 während der Vernissage am Donnerstagnachmittag über Mackie Messer, der in Berthold Brechts Dreigroschenoper sein Unwesen treibt.

Hartwin Neumann, der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, hat die Schau nach Bad Emstal geholt. Auch wenn in der Ausstellung vornehmlich Fälle von internationaler Tragweite beleuchtet würden, so seien Raubgrabungen und der unerlaubte Handel mit antiken Funden im Kreis Kassel ebenfalls von Relevanz. Die Politik nehme den Schutz von Kulturgütern nicht ernst genug.

Zu diesem Schluss mussten auch die Zuhörer gelangen, die dem Vortrag des Archäologen Dr. Michael Müller-Karpe vom RGZM lauschten. „Archäologische Funde sind kein nachwachsender Rohstoff. Es handelt sich um Informationen von Menschen, von denen wir nur über die Zeit getrennt sind.“ Raubgräber richteten enormen Schaden an. Sie plünderten das Bodenarchiv und damit „die Quelle unseres kulturellen Gedächtnisses“. Mit dem Handel der Antiken würden lukrative Geschäfte gemacht, Mitglieder des Islamischen Staates finanzierten über den illegalen Verkauf von Kulturgütern ihren Terror. Medienwirksam zerstören würden sie nur, was zu groß sei und sich nicht verkaufen lasse.

Spannende Kurzkrimis

Dabei sei die Strafverfolgung ein Problem. Die Gründe reichten von Desinteresse und Überlastung bis hin zum Widerstand einer starken Händlerlobby. Die in der Ausstellung dargestellten Fälle lesen sich wie Kurzkrimis. So wird die Geschichte erzählt von der Ankeraxt des Königs Schulgi von Ur (2094 bis 2047 v. Chr.), die die Polizei in Köln sicherstellte. Dargestellt wird die Suche nach dem erst vor wenigen Jahren von Plünderern im Irak entdeckten Grab einer sumerischen Prinzessin aus der Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. In der Grabstätte befand sich ein 4500 Jahre altes Goldgefäß, eines der ältesten Objekte dieser Art überhaupt, wie Müller-Kampe sagte. Spannend ist ferner die Geschichte von fünf Bronzegefäßen, die die diplomatischen Drähte zwischen Ankara, Berlin, Wiesbaden und Mainz zum Glühen brachten.

Die Ausstellung „Kriminalarchäologie“ ist von Montag, 18. Januar, bis Mittwoch, 24. Februar, im Foyer der Christine-Brückner-Schule in Sand zu sehen - montags bis freitags ist ein Besuch von 8 bis 16 Uhr möglich.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.