Böller erinnern an Krieg: Johanniter und Kreis bitten um Rücksichtnahme

Traumatisiert vom Krieg: Kinder in Syrien vor einem zerbombten Haus. Das Silvesterfeuerwerk könnte Flüchtlinge an die Erlebnisse in ihrem Heimatland erinnern. Foto: Archiv/dpa

Wolfhager Land. Platzt nur ein Luftballon, fallen traumatisierte Flüchtlingskinder in Schockstarre. Der Böllerlärm beim Silvesterfeuerwerk erinnert nochmal mehr an die Detonationen und Schüsse im Krieg und löst auch bei Erwachsenen Ängste aus.

Daher bitten die Johanniter und der Kreis Kassel um Rücksicht auf Flüchtlinge beim Silvesterfeuerwerk.

In der Nähe von Flüchtlingsunterkünften sollte auf allzu laute Silvester-knaller verzichtet werden. In der größten Flüchtlingsunterkunft des Kreises in Wolfhagen und den anderen Gemeinschaftsunterkünften gelte generell Feuerwerksverbot, erklärt Kreispressesprecher Harald Kühlborn. „Da machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch.“ Ein hessenweites Verbot, wie in Nordrhein-Westfalen, gebe es nicht. Auch für die von Flüchtlingshelfern geforderte Bannmeile um die Unterkünfte, in denen ein Böllerverbot gilt, sieht Kühlborn aktuell keine rechtliche Grundlage. Nach dem Sprengstoffgesetz müsse zu Krankenhäusern, Altenheimen oder Kirchen Abstand gehalten werden, Flüchtlingsheime seien nicht darunter. Dies könne nur von Land oder Bund geändert werden. Daher belasse man es bei einem Appell, sagt Kühlborn.

Der Kreis hat die Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte über den Brauch des Silvesterfeuerwerks in mehreren Sprachen informiert. „In einigen Herkunftsländern kennt man das sogar.“ So würden die Albaner beispielsweise selber böllern. Auch die müssten das natürlich außerhalb des Unterkunfts-Geländes tun. Bei den Syrern, die zuhause Krieg erlebt hätten, liege das Interesse bei Null.

In Bad Karlshafen, wo die Flüchtlinge in der Stadt untergebracht sind, habe man intensiver aufgeklärt. Alle anderen Unterkünfte seien ohnehin ruhiger gelegen. Beispielsweise der Tannenhof in Elmshagen oder auch die umgenutzten Kasernen.

Das Silvesterfeuerwerk im vergangenen Jahr sei durch Aufklärung und Böllerverbot in den Einrichtungen ohne große Verwirrung bei den Flüchtlingen über die Bühne gegangen, erklärt der Kreissprecher.

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