Oft brenzlig, aber immer witzig - Tierfotograf schreibt an Autobiografie

Verkaufsschlager: Redaktionen weltweit liebten das 1980 im norwegischen Naturpark Hardangervidda aufgenommene Pferd. Foto: Repro: zhf

Sand. Ein Leben als Tierfotograf ist abwechslungsreich. Brenzlig, wenn einem in freier Natur Raubtiere vor die Linse laufen, witzig, wenn Schimpanse, Schaf oder Pferd im Zoo mittels menschenähnlichen Grimassen mit dem Mann hinter der Kamera zu kommunizieren scheinen.

Was die haarigen Begegnungen aber immer mit sich bringen, sind beeindruckende Erfahrungen, die einem niemand mehr nehmen kann - selbst dann nicht, wenn man den Beruf längst an den Nagel gehängt hat.

Blickt für seine Autobiografie zurück auf ein abwechslungsreiches Leben als einer der erfolgreichsten Tierfotografen Deutschlands: Walter Sittig. Foto:  Hoffmann

So geht es auch Walter Sittig. Die 39 Arbeitsjahre des heute 80-Jährigen liegen schon eine ganze Weile zurück. „Ich habe einfach genug, die Branche hat sich so schnell verändert, in all die digitalen Medien wollte ich mich einfach nicht mehr reinfuchsen“, sagt er frei von Verbitterung, denn seine berufliche Karriere hat ihm so unendlich viel gegeben: unzählige Fotografien und einen unerschöpflichen Schatz an Erinnerungen, die er gerade in seiner Autobiografie zusammenfasst.

„Eine Voraussetzung für komische Bilder nämlich ist das Spiel der Tiere, und Zootiere haben viel Zeit zum Spielen, müssen keine Zeit zur Nahrungssuche und Feindabwehr aufwenden.“

198 900 Mal hat der gebürtige Hann-Mündener im Laufe der Zeit die Auslöser seiner Kameras gedrückt und durchschnittlich 195 Filme pro Jahr belichtet. 6360 Tage war er dafür in der Welt unterwegs, ist 101 760 Kilometer zu Fuß durch Zoos und Natur gelaufen und hat so gut zweieinhalb Mal die Erde umrundet. „Da ist allerhand an Material zusammen gekommen“, sagt der heute in Sand lebende Senior und erinnert sich gern an die ersten Jahre seiner Linsenpirsch. „1964, noch vor meiner Fotografenausbildung, ist das erste humoristische Foto entstanden“, sagt er und zieht den Fotobeweis direkt aus seinem akribisch sortierten Archiv: ein Eisbär im Wuppertaler Zoo.

Sein Blick für den besonderen Moment mit Schmunzelfaktor sollte schnell zu Sittigs Markenzeichen werden, und genau der sicherte ihm über kurz oder lang seinen Nischenplatz in der Branche. Auch wenn sein Herz stets für Fotosafaris in freier Wildbahn schlug, waren es die humoristischen Aufnahmen aus den Tierparks, die ihm seinen Erfolg als einer der erfolgreichsten Tierfotografen Deutschlands sicherten. „Sie verkauften sich einfach besser“, erklärt der passionierte Fotograf, der Bild für Bild tiefer in den Sog der Zoofotografie geriet. „Eine Voraussetzung für komische Bilder nämlich ist das Spiel der Tiere, und Zootiere haben viel Zeit zum Spielen, müssen keine Zeit zur Nahrungssuche und Feindabwehr aufwenden.“ In Tieraufnahmen von fremden Kontinenten habe er am Ende mehr investiert als zurückbekommen.

In 36 Länder verkauft

Dafür wurden die lustigen Tiermotive zum weltweiten Renner. In 36 Länder verkaufte er seine Werke, allein eine Tokioter Zeitschrift erwarb 1978 auf einen Schlag 294 Motive, vom Honorar kaufte Sittig seinen ersten VW-Bus. Von insgesamt 34 691 verkauften Fotos waren seinerzeit 12 662 im Ausland erschienen, 22 029 in deutschen Medien, darunter ganzseitige Veröffentlichungen in namhaften Medien wie Stern, Frankfurter Rundschau und Welt, dazu acht eigene Bücher. Nun soll das Sittigs Karriere krönende neunte folgen, das mindestens so abwechslungsreich sein wird, wie es das Leben als Tierfotograf nun einmal ist.

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