Streuobstinitiative Silka feiert 20. Geburtstag

Äpfel müssen vor allem lecker sein und nicht perfekt

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Ein Streifzug durch die Niederlistinger Streuobstwiesen: Werner Nussbaum informierte zahlreiche Apfelfans zum 20-jährigen Silka-Bestehen über Besonderheiten der heimischen Apfelsorten. 

Niederlistingen.  Die Streuobstinitiative im Landkreis Kassel (Silka) hat am Sonntag in Niederlistingen ihren 20. Geburtstag gefeiert. Hinter ihr liegen zwei Jahrzehnte, in der sich die Akteure um den Erhalt alter Obstsorten und die Pflege von Streuobstwiesen gekümmert haben.

Sabine Heidelbach kann gar nicht genug kriegen von den kleinen runden Früchtchen, die sie mit ihrer Kamera im strahlenden Sonnenschein einfängt. Ob klein und gelb, groß und mit strahlend-roten Backen oder schrumpelig und grün – Äpfel üben einen ganz besonderen Reiz auf die Hofgeismarerin aus, die ohne die knackigen Vitaminbomben nicht leben kann und will.

Liebt Äpfel von heimischen Wiesen: Hobbyfotografin Sabine Heidelbach.

Deswegen freut sie sich das ganze Jahr auf den September, wenn des Deutschen liebste Obstsorte an den Bäumen reift und allein durch ihr betörendes Aussehen das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. „Ich finde Äpfel einfach faszinierend, vor allem dann, wenn sie aus dem eigenen Garten oder von heimischen Wiesen kommen“, schwärmt Heidelbach, die gern auf die Früchte aus dem Supermarkt verzichtet. „Äpfel müssen nicht perfekt aussehen, sie sollen einfach leben, und im Supermarkt sind sie immer irgendwie tot.“

Der Kaiser Wilhelm habe es ihr besonders angetan, und den findet sie auch auf den Niederlistinger Streuobstwiesen, auf denen sie am Sonntag im Rahmen des Streuobstwiesenfestes zum 20-jährigen Bestehen der Streuobstinitiative im Landkreis Kassel (Silka) gemeinsam mit zahlreichen weiteren Apfelfans und Werner Nussbaum, Landessprecher des Pomologenvereins Hessen, unterwegs ist. Über 1200 hochstämmige Obstbäume stehen dort, einige sind mehr als 50 Jahre alt und stammen aus Zeiten, als heimisches Obst noch wertvoller Teil der Grundversorgung war.

Die wirtschaftliche Bedeutung des lokal produzierten Obstes hat mit Zunahme des Imports aus anderen Ländern stark abgenommen, wodurch viele Bäume gefällt oder nicht mehr gepflegt worden sind. Dass prächtige Apfelbäume die Felder oberhalb des Breunaer Ortsteils auch heute noch passend zum Herbstanfang einen betörenden Farbanstrich verpassen, wäre laut Nussbaum ohne Silka kaum möglich.

„Ohne die Aufpreisvermarktung der Silka gäbe es diese Streuobstwiesen hier nicht mehr.“ Sie mache die Pflege und Erhaltung von Streuobst wieder attraktiv, nicht ohne Grund stehe Silka für Streuobstwiesenneuanlagen, -pflege und das ganze Wissen drumherum.

Über 100 Obstsorten

Dazu möchte auch der Niederlistinger Streuobstpfad beitragen. Im Rahmen einer Projektarbeit wurden hier über 100 Obstsorten dokumentiert, viele davon sind sehr selten, gelten laut einer von acht Informationstafeln inmitten der Baumreihen als „regionale Besonderheit“. Das wissen Menschen wie Sabine Heidelbach zu schätzen, die es sich am Ende des herbstlichen Spaziergangs nicht nehmen lässt, ein besonders schönes Exemplar ihrer Lieblingssorte vom Baum zu pflücken und direkt genüsslich zu verspeisen. Ihr Urteil: „Einfach irre lecker.“

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