Stimmung drohte zu kippen

Info-Veranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Wettesingen

Großes Interesse: Zahlreiche Wettesinger informierten sich am Dienstagabend über die bevorstehende Unterbringung von Flüchtlingen im Breunaer Ortsteil. Fotos:  Hoffmann
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Großes Interesse: Zahlreiche Wettesinger informierten sich am Dienstagabend über die bevorstehende Unterbringung von Flüchtlingen im Breunaer Ortsteil.

Wettesingen. Zeitweise droht die Stimmung zu kippen, als Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann (SPD) über die bevorstehende Unterbringung erster Flüchtlinge an zwei Standorten in Wettesingen informiert.

Mangelnde Information ist noch das Geringste, was ihm einer der Besucher im vollbesetzten Saal des Alten Rathauses ankreidet. Dass der aufgebrachte Mann von Ausländern im Breunaer Ortsteil nicht viel hält, daraus macht er keinen Hehl und greift dazu tief in die Mottenkiste abgedroschener Parolen und wilder Verschwörungstheorien, erntet seitens seiner Mitbürger statt Verständnis überwiegend Kopfschütteln und nicht immer sanfte Widerworte.

Auch die Sorge einer weiteren Wettesingerin, die mögliche Bedrohungen junger Mädchen und Frauen durch männliche Flüchtlinge in den Raum wirft, wird durch andere Besucher mit einer Gegenfrage sogleich im Keim erstickt: „Frag dich doch mal was passiert, wenn die Mädchen und Frauen von einem Deutschen bedroht werden.“

Jörg Roßberg

Angst und Unsicherheit sind in der Wettesinger Bevölkerung, wie in anderen von der Flüchtlingsthematik betroffenen Gemeinden und Städten, vorhanden. Das weiß auch Jörg Roßberg, Leiter des Sozialamtes des Landkreises Kassel. Informationsveranstaltungen wie die im Breunaer Ortsteil sind für ihn zur täglichen Arbeitsroutine geworden, so auch die Antworten auf die immer gleichen Fragen. „Es werden keine Nordafrikaner kommen“, beruhigt er und schließt damit für Wettesingen jene Flüchtlingsgruppe aus, die für jüngste Negativmeldungen verantwortlich war. Es laufe gut mit den verschiedenen Nationalitäten im Landkreis, mit Horrormärchen, die viele immer wieder erwarteten, könne er einfach nicht dienen.

Gemeinsam mit Henkelmann ermutigt er seine Zuhörer zur Offenheit gegenüber den Flüchtlingen. Ein Unterstützerkreis sei bereits aktiv, und weitere Freiwillige darin gern gesehen. Schon in den nächsten Tagen würden die ersten von knapp 30 Menschen unterschiedlicher Herkunft im Mehrfamilienhaus an der Entengasse erwartet, weitere Unterbringungen seien in einer 150 Quadratmeter großen Wohnung geplant. Ob es bei den angedachten rund 40 Plätzen in Wettesingen bleiben werde, könne er nicht beantworten. Roßberg: „Wir wissen selbst nicht, wie es mit den Zuweisungen im Landkreis weitergeht.“

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