Angehender Pfarrer Sebastian Werner im Gespräch über seine Berufswahl

„Kirche ist dynamisch und verändert sich“

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Kehrt der evangelischen Kirche in Breuna den Rücken: Sebastian Werner wird als Pfarrer einen neue Stelle antreten. 

Breuna. Sebastian Werner hat sein Vikariat gerade beendet und steht kurz davor, Pfarrer zu werden. Wir wollten wissen, wie er zum Pfarrerberuf kam, was ihm an Breuna besonders gefiel, und was er sich von seiner Stelle als Pfarrer erhofft.

Was macht für Sie den Glauben aus?

Sebastian Werner:Ich kann daran glauben, dass mein Seelenheil sicher ist und zwar über Leben und Tod hinaus. Das schafft Mut und Vertrauen.

Warum haben Sie sich für ein Theologiestudium entschieden?

Werner:Ich finde es toll, dass man Menschen von der Trage bis zur Bahre begleiten kann. Außerdem ist es ein abwechslungsreicher Beruf. Und was mich besonders reizt, ist alles in Gottes Dienst zu tun. Die Entscheidung, in Marburg zu studieren, traf ich ganz bewusst. Zum einen war es in der Nähe zu meiner Frau, die damals in Kassel wohnte. Zum anderen ist die Theologie in Marburg in ihren Ansichten sehr liberal und doch kritisch. Das gefiel mir.

Wie war der Gedanke für Sie, in Breuna das Vikariat zu machen?

Werner:Mir gefiel der Gedanke, aufs Dorf zu gehen. Und wenn man für die evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck arbeitet, kann man nicht einfach sagen, man wolle nicht aufs Dorf. Ich wusste natürlich, wo Breuna ist, aber wie der Ort für meine Frau und mich sein wird, konnte ich mir nicht vorstellen.

Was hat Sie in dieser Zeit in Breuna besonders geprägt?

Werner:Es war herausfordernd, aber toll, viele verschiedene Dinge zum ersten Mal zu machen und vor allem Menschen zu begleiten. Zum Beispiel konnte ich ein Jahr lang mit den Konfirmanden zusammenarbeiten und am Ende ihren Konfirmationsgottesdienst leiten. Bei diesen neuen Dingen war oft auch der Adrenalinpegel sehr hoch. Außerdem fand ich die Herzlichkeit der Menschen hier sehr beeindruckend.

Was ist, auch jetzt am Ende Ihres Vikariats, Ihre Motivation für den Beruf des Pfarrers?

Werner: Ich möchte mit Menschen im Glauben unterwegs sein. Und ich möchte zeigen, dass Kirche nicht so verstaubt ist, wie einige Leute denken: Kirche ist dynamisch. Außerdem ist mir wichtig, dass die Menschen bei Gott nicht perfekt sein müssen, so wie es ihnen in der Welt oft gesagt wird.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche in Ihrem persönlichen Kontext?

Werner: Mein Eindruck ist, dass eine Gemeinde immer Zeit braucht, sich selbst zu reflektieren. Also, sich immer wieder selbst kritisch zu hinterfragen und den Mut haben muss, auch Dinge zu ändern. Natürlich darf man damit auch nicht zu schnell sein, denn Veränderungen brauchen Zeit. Aber die Kirche ist dynamisch und verändert sich.

Wie geht es Ihnen jetzt, kurz vor dem Antritt Ihrer neuen Stelle?

Werner: Natürlich bin ich aufgeregt und sehr gespannt. Wir begleiten Übergänge im Leben der Menschen. Jetzt fällt’s mir schwer, selbst im Übergang zu sein. Wir Theologen sagen immer, man brauche Gottvertrauen. Das gilt aber für uns genauso.

Zur Person

Sebastian Werner (29) wurde in Kassel geboren. Von 2006 bis 2014 studierte er in Marburg Evangelische Theologie. Daraufhin trat er das zweijährige Vikariat in der evangelische Landeskirche Breuna-Oberlistingen an. Er ist verheiratet, mit seiner Frau Franziska erwartet er ein Kind. Wo er nun eine Pfarrstelle antreten wird, steht noch nicht fest. (mgo)

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