Hitzige Diskussion im Parlament

Zu viele Rehe im Wald: Jetzt spricht Gemeinde Breuna bei Abschüssen mit

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Sehen niedlich aus, fressen aber zu viele Knospen junger Bäume im Gemeindewald Breuna: Die Gemeindevertretung hat jetzt ein Mitspracherecht bei der Abschussplanung von Rehen im Gemeindewald beschlossen.

Breuna. Rehe mögen frische Knospen. Das ist ein Problem für junge Bäume und damit ein Problem für die Gemeinde Breuna. Denn kaputte Bäume bringen weniger Ertrag. 

Das belegt ein Gutachten von Hessen-Forst. Die Gemeindevertreter beschlossen nun, mit den Jagdgenossenschaften schriftliche Vereinbarungen zu den Abschussempfehlungen zu treffen. Vorausgegangen war eine hitzige Diskussion.

Zudem soll der Gemeinde ein Mitspracherecht bei der Verpachtung eingeräumt werden. Sollte diesem nicht nachgekommen werden, kann die Gemeinde Breuna in den jeweiligen Revieren Eigenjagdbezirke bilden.

Die SPD befürwortete die Beschlüsse. Die CDU sieht in schrifllichen Vereinbarungen einen falschen Weg und bevorzugt die mündliche Absprache. Die habe aber laut Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann (SPD) bisher nicht gefruchtet. Und das nach vielen Jahren.

„Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten und dürfen niemanden ans Kreuz nageln“, sagte Friedhelm Becker (CDU). Offenbar ließ diese bildliche Vorstellung Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmanns Tonlage erheblich ansteigen. „Wir wollen niemanden ans Kreuz nageln“, sagte Henkelmann. Er sei schon lange Bürgermeister, und genau so lange habe der Revierförster bereits auf diese Problematik im Wald hingewiesen. Das Rehwild richte großen Schaden an.

„Wir haben die ganzen Jahre schon geredet. Und wenn wir als Gemeindevertreter ausgehebelt werden, müssen wir auch mal eine Ansage machen“, sagte Henkelmann. Es gehe um das Gemeindeeigentum Wald und damit auch um das Eigentum aller Bürger. Der Beschlussantrag sei sehr vorsichtig formuliert worden. Aber es müsse etwas geschehen.

Die CDU hielt allerdings daran fest, die Angelegenheit anders zu „deeskalieren“. Denn eine akute Not gebe es nicht, es sei Bewegung in der Sache, und die Gemeinde als Mitglied der Jagdgenossenschaft habe ohnehin ein Stimmrecht. „Hier kann niemand nach Wild-West-Manier machen, was er will“, sagte Becker.

Frank Trampedach (SPD): „Es gibt aber ein Missverhältnis zu den Abschusszahlen. Es geht ja nicht um die Ausrottung von Rehwild.“ Lars Voigtländer (SPD), betonte, dass die SPD hier keinen „Klassenkampf“ machen wolle. Die Schäden im Wald seien da, und eine schriftliche Vereinbarung sei gut. „So wie ich das gehört habe, hat es längst viele Gespräche gegeben“, sagte Voigtländer.

Das dementierte Friedhelm Becker. Nützte aber nichts, denn die Christdemokraten wurden durch die Ja-Stimmen der SPD überstimmt. Aber auch in der CDU gingen offenbar die Meinungen auseinander. Bei der Abstimmung enthielten sich jeweils drei CDU-Mitglieder, vier stimmten gegen die Anträge.

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