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Die Gotteshäuser bleiben diesen Winter kalt

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Von: Johannes Rützel

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Schon in den ersten kalten Tagen hat Pfarrerin Anja Fülling Decken in die Kirche nach Wenigenhasungen gebracht. Frierende Gottesdienstbesucher können sich damit einhüllen.
Schon in den ersten kalten Tagen hat Pfarrerin Anja Fülling Decken in die Kirche nach Wenigenhasungen gebracht. Frierende Gottesdienstbesucher können sich damit einhüllen. © Ricken, Bea

Die Katholische und Evangelische Kirche wollen Energie sparen. Katholische Kirchen haben nur noch 5 Grad. Evangelische Kirchen entscheiden selbst.

Kreis Kassel – Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck empfiehlt den Gemeinden, die Grundtemperatur und Nutztemperatur um jeweils zwei Grad Celsius abzusenken. Das sorgt für Temperaturen von sechs bis 13 Grad Celsius. Damit lassen sich laut Julia Bröske, stellvertretender Leiterin des Kirchenkreisamtes, etwa 20 Prozent Heizenergie einsparen.

Zudem empfiehlt Julia Bröske den Kirchengemeinden zu prüfen, ob die Kirche auch als Kaltkirche überwintern kann. Das heißt, dass auf deren Beheizung komplett oder weitestgehend verzichtet wird. Daneben sollen organisatorische Maßnahmen geprüft werden, wie die Nutzung von Gemeindehäusern als Gottesdienstraum, stärkere Konzentration des Gottesdienstangebots im Kooperationsraum, Gottesdienste im Freien, Videogottesdienste oder wieder Gottesdienste im digitalen Raum.

Sven Wollert Pfarrer in Westuffeln
Sven Wollert Pfarrer in Westuffeln © Privat

Auch in der katholischen Kirche soll Energie gespart werden. Ab dem 1. Oktober gelten zum Energiesparen im Bistum Fulda, zu dem auch Wolfhagen und Hofgeismar gehören, verbindliche Vorgaben. Kirchen sollen nur noch auf fünf Grad Celsius geheizt werden – auch während der Gottesdienste. Das läge vor allem an Kunstgegenständen und Orgeln, die auf schwankende Temperaturen empfindlich reagieren, teilte das Bistum Fulda mit. Außerdem werden Flure, Treppenhäuser und Foyers in öffentlichen Nichtwohngebäuden nicht beheizt. Arbeitsräume sollen maximal 19 Grad Celsius erreichen. Die Außenbeleuchtung für Gebäude und Denkmäler wird abgeschaltet.

Verantwortung für Bedürftige

Auf der anderen Seite würden die Kirchen auch die Verantwortung tragen, Bedürftigen warme Räume zur Verfügung zu stellen, erklärt Sven Wollert, Sprecher des Kirchenkreises und Pfarrer in Westuffeln, die schwierige Lage. „Grundsätzlich muss jede Kirchengemeinde für sich selbst verantwortlich entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden“, so Wollert. Dabei spiele die Situation vor Ort die entscheidende Rolle. Es gebe finanzstärkere und -schwächere Gemeinden, die andere Lösungen finden müssten, als Gemeinden, in denen Wärme in großer Menge zur Verfügung stehe.

Heizsituation ist nicht überall gleich

Sven Wollerts evangelische Gemeinde in Calden wird beispielsweise mit der Abwärme einer Biogasanlage geheizt. Dort sei die Produktion wegen des erhöhten Strombedarfs in Europa hochgefahren worden. Ob die zusätzliche Abwärme dann in die Luft geblasen oder das Gemeindehaus geheizt werde, sei im Endeffekt für die Energiekrise in diesem Winter nicht wichtig, sagt der Pfarrer.

Die Gemeinde in Wolfhagen wird anstatt die Gottesdienste in der Stadtkirche zu feiern, wahrscheinlich bald in das Gemeindehaus ausweichen, prognostiziert Wollert. In anderen Kirchen gebe es auch Sitzbankheizungen mit mehreren Heizkreisläufen – dort werde man dann wohl nur einen Teil der Bänke beheizen. Auch dass an wichtigen Festen wie Heiligabend mehr geheizt werde, hält Pfarrer Wollert für denkbar.

Wärmewinter: Kirchensteuer für beheizte Räume

Die Evangelische Kirche Deutschlands hat zusammen mit der Diakonie dazu aufgerufen, vor Ort sichtbare und öffentliche Zeichen gegen soziale Kälte und für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu setzen. Dafür will die Kirche auch die auf die Energiepauschale erhobene Kirchensteuer einsetzen. Die Gemeinden sollen nach Möglichkeit beheizte Räume, warme Kleidung und Verpflegung für Bedürftige zur Verfügung stellen. 

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