Breunaer Ortsteil Wettesingen versorgt sich zu 100 Prozent ohne fossile Brennstoffe

Einzigartiges Energiedorf

Bioenergiedorf Wettesingen: Hier steht das Herzstück des ganzen Projektes: Das Blockheizkraftwerk. Ganz links im Silo sind Holzpellets. In der Halle sind drei große Öfen zur Verbrennung und die Steuerung. Fotos:  Wüllner

Wettesingen. „Wir sind in Deutschland Vorreiter für alle, die zu 100 Prozent erneuerbare Energie nutzen wollen“, sagt Dieter Hösl, Vorstandsvorsitzender der Energie-Genossenschaft in Wettesingen. Heute werden der Weg zum Bioenergiedorf sowie die Kooperation und technische Umsetzung mit dem Unternehmen Viessmann öffentlich vorgestellt. Von 15 bis 17 Uhr macht die „Energiereise der Initiative der Region Kassel-Land, Kulturlandschaft Hessen Spitze“ dort Station.

Das Gerangel, wer nun das größte Bioenergiedorf ist und wer nicht, belächelt Dieter Hösl. „Wir sind vielleicht nicht das größte Bioenergiedorf, aber das einzige, das komplett auf fossile Brennstoffe und fremde Konzerne verzichtet“, sagte Hösl. Andere heizen in Spitzenzeiten mit Öl, Wettesingen nicht. Möglich macht das ein weiteres Kraftwerk am Dorfrand. Dort werden in drei großen Öfen Holzpellets verbrannt. Im Spätsommer stehen die Öfen noch still. In der bevorstehenden Heizperiode wird sich das Pellet-Kraftwerk automatisch anschalten. Damit deckt die Energiegenossenschaft den höheren Bedarf und muss keine Energie dazu kaufen.

210 Hausanschlüsse und Gemeinschaftseinrichtungen werden mit Wärme beliefert. Jährlich werden 600 000 Liter Heizöl ersetzt und über 1300 Tonnen CO2 eingespart. Weil Wettesingen damit als Projekt-Vorreiter gilt, war Dieter Hösl sogar schon in der Japanischen Hauptstadt Tokio und hat die Pläne dort vorgestellt.

Doch wie geht es jetzt weiter, was ist als nächstes zu tun? „Jetzt kommen die Feinheiten. Wo können wir sparen, wie die Pellet-Öfen skalieren und wir müssen den Markt im Auge behalten“, sagte Hösl. Am heutigen Freitag wird Dieter Hösl den Besuchern den Werdegang der Genossenschaft erläutern.

Die Idee, das Dorf Wettesingen mit erneuerbarer Energie zu versorgen, stammt aus dem Jahr 2009. Einer Zeit also, in der die Energiepreise stetig anstiegen. Als Generalunternehmer hat die Firma Viessmann das Projekt „Bau des Blockheizkraftwerkes“ umgesetzt und im Jahr 2011 an den Start gebracht. Also noch kurz bevor die Einspeisevergütung vermindert wurde. Das war für alle Beteiligten eine Herkulesaufgabe. Deutschlandweit gibt es insgesamt 179 Bioenergiedörfer.

Von Monika Wüllner

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