Keine Einigung mit Kassen

Stationäres Beatmungszentrum in Dörnberg ist vom Tisch

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Aus Beatmungszentrum wird Pflegeheim für Senioren: Auf die ersten Bewohner freuen sich Leiterin Natalija Reich (von rechts), Pflegedienstleiterin Lena Ressel und Verwaltungsangestellte Sabine Jordan.

Dörnberg. Der Plan, in Dörnberg eine Pflegeeinrichtung für Beatmungspatienten zu schaffen, ist gescheitert. Das hat jetzt Natalija Reich, Geschäftsführerin eines ambulanten Pflegedienstes mit 90 Beschäftigten, auf HNA-Anfrage erklärt.

In der Frage der Finanzierung habe man sich mit Kranken- und Pflegekassen sowie dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) nicht einigen können. Alternativ eröffnet sie nun am 2. September ein Pflegeheim für Senioren.

Etwa 8000 Euro habe sie für die Betreuung von Beatmungspatienten pro Monat kalkuliert, sagt Reich. Die Kostenträger seien ihren Angaben zu Folge aber nur bis zu einem Betrag von 5500 Euro mitgegangen. „Damit ist das Projekt gescheitert“, so die Unternehmerin, die in den Neubau des Hauses an der Wolfhager Straße zwei Mio. Euro investierte.

Die hohen Kosten ergäben sich aus der Eins-zu-Eins-Betreuung. Die Patienten müssten permanent überwacht werden. Für geplante 14 Patienten hätte Reich bis zu 19 Vollzeitkräfte einstellen müssen. Vom Geld der Kostenträger könne sie nur zwölf bezahlen. „Ich hätte mit einem Bein im Gefängnis gestanden“, so Reich. Die Versorgung der Patienten wäre für sie ein zu hohes Risiko gewesen. 

Stephan Gill, Sprecher der AOK in Hessen, bestätigte die Probleme bei den Verhandlungen zwischen Kassen und Betreiberin. Er sagte, dass alle Parteien an der Einrichtung interessiert seien, da es in Nordhessen eine Versorgungslücke gebe. Anders als Reich gingen der Verband der Krankenkassen und der LWV aber nicht von einer Eins-zu-Eins-Betreuung aus. „Die gibt es in diesem Bereich nicht. Die Gespräche gehen aber weiter. Wir sind bestrebt, eine rasche Einigung herbeizuführen“, sagt er. Für Natalija Reich ist das Thema aber erledigt: „Ich kann doch nicht Senioren aufnehmen und sie später wieder auf die Straße setzen, sobald die Finanzierung für das Beatmungszentrum steht."

LWV: Nicht konkurrenzfähig

Nach Angaben von Elke Bockhorst, Sprecherin des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV), habe es zusammen mit den Kranken- und Pflegekassen lediglich zwei Beratungsgespräche mit der Investorin gegeben. Natalija Reich habe jedoch nie einen Antrag bei den Kostenträgern gestellt. Der Unternehmerin hätten sie in den Gesprächen gesagt, dass die von ihr angesetzte Kostenpauschale zu hoch sei. Gegenüber Mitbewerbern sei sie nicht konkurrenzfähig, so der Hinweis. Der LWV sieht sich in den Verhandlungen um das Beatmungszentrum lediglich in der Rolle des Co-Akteurs. Er wäre für die psychosoziale Betreuung der schwerstkranken Patienten zuständig.


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