Der Heizölpreis schießt in die Höhe: Leere Auftragsbücher bei den Brennstoffhändlern

Hoffen auf den Preissturz

Wenig zu tun: Die Heizöllieferanten fahren mit ihren befüllten Lastkraftwagen nur wenige Kunden an – die Auftragslage ist schlecht. Wenn getankt wird, dann nur wenige Liter Heizöl. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Deutlich gestiegen ist der Heizölpreis – wer nicht unbedingt nachtanken muss, lässt es. Die Preiserhöhung haben auch die Brennstoffhändler im Wolfhager Land zu spüren bekommen: Die Auftragslage ist schlecht, da die Verbraucher hoffen, dass der Heizölpreis wieder sinkt.

Nimmt man bei der Firma LBE Löber in Balhorn 3000 Liter Heizöl ab, beträgt der aktuelle Preis pro 100 Liter 71,76 Euro inklusive Mehrwertsteuer. „Erheblich gestiegen“ ist der Preis im Vergleich zu den Vorwochen, „um drei Cent kann man vorneweg sagen“, sagt Gerhard Löber von der Firma LBE Löber Brennstoffhandel in Balhorn, und die Tendenz sei im Moment weiterhin steigend.

Auf die Frage, wie die Kunden auf die Preiserhöhung reagieren, sagt er: „Mit einer Demonstation, indem sie gar nichts kaufen.“ Nur wenn die Heizung stehe, werde nachgetankt, Vorratsmengen würden überhaupt nicht abgenommen.

Die Auftragsmengen seien mit 500 bis 1000 Litern Heizöl überschaubar, sodass der Verbraucher erst mal die nächsten Monate überstehe. Die Kunden hoffen, dass der Heizölpreis innerhalb dieses Zeitraums sinkt. Ob das eintritt, sei derzeit aber noch nicht absehbar. „Ich zweifele sehr daran“, sagt Löber.

Keine Empfehlung

Mit einer Empfehlung für die Kunden tue er sich sehr schwer: Weil das Öl an der Börse gehandelt wird, könne niemand vorraussagen, wann der günstigste Zeitpunkt zum Tanken ist. „Wenn die Krise in Griechenland dazu führt, dass der Euro weiter sinkt, dann wird auf Dollar-Basis abgerechnet“, sagt Löber – das könnte einen erneuten Preisanstieg bedeuten.

Dessen ist sich auch Edgar Markus von der Raiffeisen-Warenzentrale in Wolfhagen sicher: „Die Preise sind nur nach oben marschiert, stellen sich im Aufwärtstrend dar. Der Dollar ist stark und tut somit sein Übriges.“ Steigt der Preis weiter, könne sogar das hohe Preisniveau von einem Euro pro 100 Liter im Jahr 2008 wieder erreicht werden.

Die Nachfrage sei „nicht so bombig“, das Tankverhalten zurückhaltend: Je nachdem, was der Geldbeutel hergebe, würden 1000 bis 2000 Liter Heizöl geordert. „Alles wartet auf bessere Preise“, sagt Markus. Warten sei aber nicht die richtige Strategie, Markus empfiehlt jetzt zu tanken, frei nach dem Motto: „Das, was ich hab, hab ich.“ Die vergangenen Jahre haben gezeigt, das der Preis im späten Februar am günstigsten war. Wer im ersten Quartal getankt hatte, lag richtig. Zum Sommer hin sei der Preis gestiegen.

„Man sollte die Preise beobachten und versuchen, den richtigen Zeitpunkt abzupassen“, sagt Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen in Kassel. Ansonsten könne sie keine Empfehlung abgeben: „Ich hab keine Glaskugel, in der ich die Preise sehen kann.“

Von Lisa Maria Neumeyer