Kasseler Studenten drehten Kurzfilm über Flüchtlinge auf dem Dörnberg

Drehten auf dem Hohen Dörnberg: Regisseurin Kimia Eyzad Panah (vorne von rechts) mit ihren beiden Hauptdarstellerinnen Mahshid Ahmadi und Frishteh Atayi. In dem Kurzfilm wird die Geschichte zweier Schwestern erzählt, die aus Afghanistan fliehen. Unterstützt wurde Eyzad Panah von ihren Mitstudenten der Kasseler Kunsthochschule. Foto:  Renner

Zierenberg. Die Bilder der Flüchtlingswelle im vergangenen Sommer beschäftigten Kimia Eyzad Panah sehr. Die gebürtige Iranerin fragte sich, wie man ein Kind überzeugen könne, eine beschwerliche Reise in ein fremdes Land und eine ungewisse Zukunft auf sich zu nehmen. Daraus entstand die Idee zu einem Kurzfilm.

Eyzad Panah, Studentin an der Kasseler Kunsthochschule, setzte diesen jetzt mit Unterstützung ihrer Mitstudenten am Hohen Dörnberg bei Zierenberg um.

Es geht bergauf, unter Bäumen hindurch und über Äste hinweg, einen Rucksack auf den Rücken geschnallt, an der Hand ein kleines Mädchen. Zufrieden ist Regisseurin Kimia Eyzad Panah mit der Einstellung aber noch nicht, deshalb müssen Frishteh Atayi und Mahshid Ahmadi noch einmal den Berg hinauf laufen. Die beiden spielen die Hauptrollen in dem Film, dessen Arbeitstitel „Schwester sein“ ist. „Beide kommen aus Afghanistan - im Film und im echten Leben“, sagt die Regisseurin. „Ich wollte Menschen, die eine Flucht tatsächlich erlebt haben.“

Die Laienschauspieler suchte sich die 26-Jährige im Freundes- und Bekanntenkreis, hängte aber auch ein Gesuch bei der Kasseler Caritas aus. Neben Frishteh Atayi steht bei dem Film die siebenjährige Mahshid Ahmadi im Mittelpunkt.

Im Film ist das Mädchen mit ihrer älteren Schwester auf dem Weg von Afghanistan nach Deutschland. Sie müssen sich beeilen, aber plötzlich hat die kleine Schwester keine Lust mehr, weiterzugehen. Wie die Ältere sie motiviert, darum wird es in dem Kurzfilm gehen. Auch zu sehen in dem Streifen: die drei Flüchtlinge Kawar Murad, Abdullah Dada und Jonas Resaei.

„Ich wollte Menschen, die eine Flucht erlebt haben.“

Am Mittwoch vergangener Woche begannen die Dreharbeiten, am Sonntag wurden sie abgeschlossen. Für die Studenten viel Arbeit, denn bereits früh morgens ging es los, teils wurde bis spät in die Nacht gedreht. Rund um den Hohen Dörnberg fingen sie die Szenen ein, trugen das gesamte Equipment rund um den Berg, hinauf und wieder hinunter.

20 Minuten langer Film

Mehrere Stunden Filmmaterial sind an den Tagen zusammengekommen. Gemeinsam kümmern sich die Studenten in den kommenden Wochen um den Schnitt, denn am Ende soll der Film nur 20 Minuten lang sein.

Auch die Untertitel müssen später noch eingefügt werden, denn gedreht wurde auf Dari, was in Afghanistan die Bezeichnung für die persische Sprache ist. Auch das soll dem Kurzfilm Authentizität verleihen.

Regelmäßig drehen die Studenten, die in unterschiedlichen Semestern sind, gemeinsam Filme. Abwechselnd wird Regie geführt, die Kamera bedient oder sich um den Ton gekümmert. „So lernen wir alle Bereiche des Films kennen“, sagt Viktoria Koberstein, die beim Projekt „Schwester sein“ die Produktionsassistenz übernahm.

Info: Wann der Kurzfilm zu sehen sein wird, ist noch nicht ganz klar. „Er soll auf jeden Fall beim Rundgang der Kunsthochschule zu sehen sein“, sagt Student Jonas Reinhart, der aus Zierenberg kommt. Der Termin stehe aber noch nicht fest. Auch im Kasseler Bali-Kino soll er gezeigt werden, ebenso bei Kurzfilmfestivals. Die Termine werden noch bekanntgegeben.

Sponsoren gesucht

Die Studenten müssen sich um das Budget des Films selbst kümmern, finanzieren einen Großteil aus eigener Tasche. Die Unterkunft auf dem Dörnberg wurde vom Zierenberger George Reinhart bereitgestellt, doch weitere Unterstützer werden noch gesucht.

„Die Finanzierung ist noch in Arbeit“, sagt Produzent Jonas Reinhart. Es sei schwierig, für solche Projekte Sponsoren zu finden. Die würden aber gebraucht, um Fahrtkosten, Essen und Getränke sowie Material zahlen zu können. Wer die Studenten unterstützen möchte, meldet sich bei Regisseurin Kimia Eyzad Panah per Mail an kimia_eyzadpanah@yahoo.de.

Von Julia Renner

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