NABU Oberelsungen beklagt Rückgang vieler Vogelarten

Halten Ausschau nach Vögeln: Nicole Dietrich, Otto Reinhard und Oberelsungens NABU-Vorsitzender Markus Dietrich zählen heimische, aber auch Zugvögel. Foto:  Renner

Oberelsungen. Mit Ferngläsern und Notizblock sind die Mitglieder des NABU-Ortsverbands Oberelsungen in diesen Tagen unterwegs gewesen. Sie nahmen an der bundesweiten Aktion Stunde der Wintervögel teil und zählten die Tiere.

Dass der Bestand vieler Arten rapide sinkt, hat Otto Reinhard bereits häufiger festgestellt. Seit Jahrzehnten schon beobachtet er Vögel.

„Vor allem die Zahl der Feldvögel ist rapide zurückgegangen“, sagt der Hobby-Ornithologe. „Sie leiden unter der Intensivierung der Landwirtschaft.“ Auch Spatzen gebe es in den Orten kaum noch, das Rebhuhn sei in unserer Region gar ausgestorben. So manche Art habe sich auch an geänderte Bedingungen angepasst, beispielsweise die Elster. Dennoch: „Wir brauchen mehr Wildnis“, sagt Reinhard. Wenn jeder gut zehn Quadratmeter in seinem Garten wild wuchern lasse, wäre das eine tolle Heimat für Vögel, Igel und Wildbienen. „Viele Gärten sind zu aufgeräumt“, bestätigt NABU-Vorsitzender Markus Dietrich.

Haussperling am häufigsten

Die Oberelsunger Naturschützer machen jedes Jahr bei der Vogelzählung mit, im Frühjahr und auch im Winter. So könne man Bestandstrends erkennen. „Der Haussperling kommt bei uns am häufigsten vor“, sagt Dietrich. Bei der Zählung im vergangenen Jahr wurde er 1116 Mal gezählt im Kreis Kassel. „Das heißt aber nicht, dass wir nichts für den Sperling tun müssen.“

Am zweithäufigsten wurde 2015 in der Region die Amsel gesichtet: 492 Mal. Es folgten Feldsperling (478), Kohlmeise (454) und Blaumeise (442). Lediglich ein Mal fanden sich auf der Liste im vergangenen Jahr Fichtenkreuzschnabel, Habicht und die Misteldrossel. In 109 Gärten im Kreis Kassel zählten 145 Vogelfreunde insgesamt 5210 Tiere. Einige Arten, berichten Dietrich und Reinhard, hätten sich in den vergangenen Jahren wieder erholt. Dazu zählen der Kolkrabe und auch der Schwarzstorch. „Auf dem Vormarsch in Hessen ist der Weißstorch.“

Füttern im Winter

Tipps haben die Naturexperten auch für die Fütterung der gefiederten Tiere im Winter parat. „Wenn der Boden gefroren ist oder es eine geschlossene Schneedecke gibt, kann man füttern“, sagt Markus Dietrich. Das Futter müsse allerdings trocken sein.

Nicht nötig wäre die Fütterung im Winter, wenn viele Gärten unordentlicher wären - so wie das NABU-Grundstück an der Trift in Oberelsungen. „Dann gäbe es für die Vögel immer einen reich gedeckten Tisch.“

Bestand erfassen

Vom 8. bis 10. Januar stand zum sechsten Mal die bundesweite Stunde der Wintervögel des Naturschutzbundes (NABU) an. Rund 77 000 Naturfreunde nahmen 2015 daran teil. Mehr als zwei Millionen Vögel wurden damals gemeldet. Aus den erfassten Daten sollen Bestandszahlen und Trends abgeleitet werden. Diese dienen als Grundlage für Aktivitäten im Vogelschutz.

Die aktuellen Ergebnisse gibt es online auf www.hessen.nabu.de und auf www.nabu.de.

Von Julia Renner

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