Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit im Wolfhager Land: Umbauten haben ihren Preis

Aufzug und Rampe: Das Rathaus in Dörnberg ist barrierefrei. Manko: Die Türen sind von Rollifahrern nicht zu öffnen. Fotos: Ricken

Wolfhager Land. Der Bund wird barrierefreier: Den Grundstein dafür legte jetzt der Bundestag mit der Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes. Damit sollen künftig Bundesbehörden für Menschen mit Behinderungen leichter erreichbar sein. Wir wollten wissen, wie es bei anderen Ämtern im Wolfhager Land um die Barrierefreiheit bestellt ist.

„Bei den Landkreisgebäuden haben wir viel gemacht, aber es gibt noch Nachholbedarf“, räumt Kreissprecher Harald Kühlborn ein. Die Burg in Wolfhagen, in der das Jugendamt untergebracht ist, sei eine Herausforderung. Auch an der Ritterstraße könne die Barrierefreiheit verbessert werden. Entsprechende Planungen gebe es bereits, sagt Kühlborn. Die größeren Schulen seien für Behinderte gut erreichbar. „Bei den Grundschulen machen wir fallbezogen etwas, wenn Bedarf entsteht.“

In allen Rathäusern im Altkreis gibt es bereits bauliche Verbesserungen für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte - allerdings nicht überall konsequent genug. Beispiel Habichtswald: Beim Neubau des Verwaltungsgebäudes wurden zwar ein Fahrstuhl eingebaut und eine Rampe errichtet, die nicht selbstöffnenden Eingangstüren und die Tür zum Fahrstuhl sind aber ein fast unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer. Vor dieser Hürde stehen auch die Rollifahrer in Naumburg.

In Breuna gibt es zwar Türöffner, aber relativ schmale Wege. In Zierenberg existiert zwar ein Fahrstuhl, Behinderte müssen aber an der Eingangstür klingeln und auf Einlass warten. Einzig in Wolfhagen ermöglicht ein Fahrstuhl den direkten Zugang von der Straße in den Fahrstuhl und von dort in alle Stockwerke.

Wolfgang Hensel, Behindertenbeauftragter aus Wolfhagen, rät allen Kommunen zu einem Behindertenbeauftragten. Dieser könne Schwachstellen erkennen und bei Lösungen helfen.

Zwei Gründe sind nach seiner Auffassung dafür verantwortlich, dass die Barrierefreiheit hier und da im Altkreis Wolfhagen nicht konsequent umgesetzt wurde: Zum einen seien die Umbauten sehr teuer. Zum anderen würde er allen Kommunen einen Behindertenbeauftragten wünschen, der entsprechende Projekte vorantreibe. Nur Wolfhagen und Zierenberg hätten derzeit einen.

In den Rathäusern, wo bewegungseingeschränkte Personen nicht in die oberen Stockwerke gelangen können, haben die Mitarbeiter entsprechende Strategien entwickelt. „Die Kollegen kommen nach unten“, so Thomas Fingerling, Hauptamtsleiter aus Naumburg. So handhabt man es auch in Bad Emstal. Hier habe man für Bürgergespräche zudem die behindertenfreundliche Alte Post neben dem Rathaus hergerichtet, so Bürgermeister Ralf Pfeiffer (parteilos). In Naumburg, Emstal und Breuna können die Bürger den größten Teil ihrer Angelegenheiten im unteren Stockwerk erledigen. In Wolfhagen, Habichtswald und in Zierenberg ermöglichen Fahrstühle den Zugang zu den oberen Stockwerken.

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