Ausgebremst und aus Bus gezerrt

Schreie und ein Tritt in den Hintern: Autofahrer griff Busfahrer an

Opfer eines Übergriffs: Busfahrer Florian Heimrich wurde von einem Autofahrer zunächst ausgebremst, dann aus dem Bus gezerrt und getreten. Fotos:  Renner
+
Opfer eines Übergriffs: Busfahrer Florian Heimrich wurde von einem Autofahrer zunächst ausgebremst, dann aus dem Bus gezerrt und getreten.

Elbenberg. Die Wolfhager Polizei ermittelt derzeit gegen einen Mann aus der Region wegen Körperverletzung und Nötigung im Straßenverkehr.

Er soll am Ostersonntag den Busfahrer Florian Heimrich auf einer Landesstraße bei Naumburg ausgebremst, aus dem Bus gezerrt und in den Hintern getreten haben. Die Wolfhager Polizei bestätigt, dass in dem Fall eine Anzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr und wegen Körperverletzung vorliegt. „Die Ermittlungen dauern aber noch an“, sagt Polizeisprecher Volker Tschepe. Genauere Angaben wie Alter oder Wohnort des Autofahrers kann die Polizei derzeit nicht nennen, die Daten seien noch nicht bestätigt.

Kamera zeichnete nicht auf

Busfahrer Florian Heimrich ist angestellt bei Frölich-Reisen (Hessisch Lichtenau), die im Auftrag der Hessischen Landesbahn (HLB) fahren. Rund 100 Busse hat Frölich im Linienverkehr im Einsatz, sagt Unternehmer Bernd Frölich auf HNA-Anfrage. Alle seine Busse seien ausgerüstet mit Kameras.

Allerdings: Im betreffenden Bus funktionierte die Aufzeichnung nicht. „Das Fahrzeug ist ganz neu, und es gab anscheinend technische Probleme, die vorher niemand bemerkt hatte,“ so Frölich.

Kameras gehören mittlerweile zur Grundausstattung vieler Busse. „Sie dienen dem Schutz der Gäste, aber auch des Fahrers“, sagt Sabine Herms, Sprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV).

Die Regelungen zur Überwachung seien allerdings streng, sagt sie. Aufgezeichnet werde zwar alles, was im Bus passiert, die Videos würden aber nur abgerufen, wenn es einen besonderen Grund gebe, sagt Herms. Nach 48 Stunden würden die Aufzeichnungen wieder überspielt oder gelöscht. „Damit wird dem Datenschutz Rechnung getragen.“

Florian Heimrich war am Ostersonntag zum ersten Mal mit dem Bus im Wolfhager Land unterwegs. Der eigentliche Einsatzort des 23-jährigen Busfahrers ist Fritzlar, im Wolfhager Land sollte er eine Urlaubsvertretung übernehmen. Gegen 17.45 Uhr kam es dann zu einer Auseinandersetzung, die nach eigener Aussage mit einem Tritt für den jungen Mann endete.

Hier passierte es: An der Kurve am Ortseingang Elbenberg fühlte sich der Autofahrer vom Busfahrer abgedrängt.

Am Ortsausgang von Elbenberg fuhr Heimrich durch eine schmale Kurve, in der ihm ein Pkw entgegen kam. „Der Autofahrer hätte gar nicht mehr fahren dürfen, weil es zu eng war“, sagt Heimrich. Schließlich braucht er mit seinem Bus etwas mehr Platz an der schmalen Straßenstelle. Der junge Mann mit dem Pkw fuhr dennoch weiter. Es war knapp, sagt Heimrich, aber schließlich passte es doch.

Für den Busfahrer, der ohne Fahrgäste, aber mit einem Kollegen unterwegs war, ging es weiter in Richtung Naumburg, als der Autofahrer wieder auftauchte und den Bus überholte. „Er hat mich dann ausgebremst.“ Heimrich wollte ausweichen, doch das wusste der Autofahrer zu verhindern: Er stellte seinen Wagen in der Straßenmitte ab und stieg aus.

Polizei sucht Zeugen

Der Busfahrer öffnete die Tür und rief dem Mann zu, dass er weiterfahren müsse. Der hörte nicht darauf, kam in den Bus und „packte mich an meiner Jacke“, erzählt Heimrich. „Er hat mich aus dem Bus gezogen und angeschrien“, sagt der 23-Jährige. Er habe ihn von der Straße drängen wollen, warf der Autofahrer dem Busfahrer vor. „Das wollte er meinem Chef sagen, damit ich meinen Job verliere.“

Heimrich riss sich los und ging wieder in Richtung Bus, als der Mann ihm einen Tritt in den Hintern verpasste. Mit seinem Handy machte der Busfahrer schließlich ein Foto des Autos samt Kennzeichen und rief die Polizei. Die sucht jetzt noch mögliche Zeugen der Tat, sagt Sprecher Volker Tschepe.

Tabletten gegen Schmerzen

Seit einem Jahr sei er Busfahrer und habe in dieser Zeit rund 40.000 Kilometer zurückgelegt, schätzt der Baunataler Heimrich. Er ist sicher, dass er sich bei der Fahrt durch die Kurve, die wohl der Auslöser des Wutanfalls für den Autofahrer war, richtig verhalten habe.

Nichtsdestotrotz: Ungeduldige Autofahrer kenne jeder Busfahrer. „Manche zeigen uns den Mittelfinger oder beleidigen uns“, berichtet Heimrich. So etwas drastisches wie am Ostersonntag habe er aber noch nie erlebt. Bis Dienstag war er krankgeschrieben, gegen die Schmerzen am Steißbein verschrieb ihm der Arzt Tabletten.

Dass im Straßenverkehr gegenseitige Rücksichtnahme gefragt sei, betont Reise-Unternehmer Bernd Frölich. Er werde, so kündigt er an, dem Autofahrer gegenüber Ansprüche geltend machen. Unter anderem, weil es Verzögerungen bei der Weiterfahrt gab. Er ist froh, dass keine Fahrgäste im Bus saßen. „Sonst hätte es durch die starke Bremsung mehr Verletzte geben können.“

Hinweise: Wer etwas zur Klärung beitragen könne, solle sich bei der Polizei melden unter Tel. 05692 / 98 29 0.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.