Parteien im Landkreis Kassel verlieren Mitglieder

Kreis Kassel. Eine Studie hat jetzt festgestellt: Die etablierten Parteien in Deutschland verlieren Mitglieder. Auch bei den Parteien im Kreis Kassel gehen die Mitgliederzahlen zurück. Vor allem die SPD erlitt in den vergangenen Jahren Verluste.

4700 Frauen und Männer sind Ende 2015 Mitglied der SPD im Kreis gewesen. Vor zehn Jahren waren es noch 6400. Ein Großteil des Verlusts sei durch Sterbefälle zu erklären, sagt Timon Gremmels, Vorsitzender des Unterbezirks. „Die breite Basis ist ein Anker für uns, doch junge Menschen wollen sich immer weniger an Parteien binden“, sagt er. 2015 habe es im Unterbezirk jeweils 94 Ein- und Austritte gegeben, hinzu kommen 100 Todesfälle.

„Die Tendenz ist leicht rückläufig“, sagt Arno Meißner, Geschäftsführer der CDU Kassel-Land. Aktuell haben die Christdemokraten 1111 Mitglieder, vor zehn Jahren waren es noch 1486.

Seit den 2000er-Jahren sei die Mitgliederzahl bei den Grünen „immer leicht über 100“ gewesen, sagt Susanne Regier, Vorsitzende des Kreisverbands. Durch die Katastrophe von Fukushima seien die Zahlen in die Höhe geschnellt. Dieser Effekt habe nun nachgelassen, die Zahlen seien jetzt stabil. Zwischen 140 und 150 Mitglieder seien es in den vergangenen Jahren stets gewesen, so Regier.

Die Linken im Kreis Kassel haben aktuell 63 Mitglieder, 2011 waren es 59. Langfristiges Engagement sei nicht mehr angesagt, sagt Vorstandssprecher Torsten Felstehausen. Man habe einen großen Bestand an älteren Mitgliedern.

In den vergangenen Jahren seien einige Jüngere in die FDP eingetreten, sagt Kreisvorsitzender Björn Sänger. Dennoch gehen auch dort die Zahlen zurück. 120 Mitglieder seien es aktuell, sagt Sänger. Als er den Kreisvorsitz vor zehn Jahren übernahm, seien es noch etwa 160 gewesen.

Die Studie

Unter dem Titel „Parteimitglieder in Deutschland: Version 2015“ hat der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der Freien Uni Berlin die Entwicklung der Mitgliederzahlen in deutschen Parteien untersucht.

Der große Verlierer ist demnach die SPD, die zwischen 1990 und 2014 rund 483.000 Mitglieder einbüßte. Im selben Zeitraum verlor die CDU 332.000 Mitglieder, die FDP 113.000 und die Linke (und deren Vorläufer) 220 000. Nur eine Partei konnte in den vergangenen Jahrzehnten laut Studie Mitglieder hinzugewinnen: die Grünen. Sie wuchsen um rund 19.000 Mitglieder. Die AfD kommt in der Studie nicht vor.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.