Ein Revier, viele Nutzer: Jäger werben bei Freizeitsportlern um rücksichtsvolles Verhalten

Beliebte Rennstrecke: Hattenhausen müssen sich die Jagdpächter (von rechts) Ingo Bandurski, Jens Paeplow und Helmut Blum mit anderen Nutzern wie Mountainbikern teilen. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Die Zivilisation scheint weit entfernt. Das Laub rauscht sacht. Die Sinne hellwach und doch durch die Atmosphäre ganz entspannt, so fühlt sich der Jäger auf der Kanzel am wohlsten. Ein Ansitz ohne Störungen, das ist ultimativer Genuss. Allerdings gibt es das nur selten.

Im Revier Hattenhausen, sagt Pächter Ingo Bandurski, sei Ruhe eher die Ausnahme. Der Wald mit seinen vorgelagerten Feldern und Wiesen sei nunmal keine exklusive Insel, sondern eben auch Kulturlandschaft und Erholungsgebiet.

Zur Erntezeit im Wald und auch danach sind Forstarbeiter im Wald aktiv, auch mit großen Maschinen. Jogger, Walker, Radler und Reiter sind eigentlich täglich auf den Wegen unterwegs, Wanderer genießen den durch den Wald führenden Abschnitt des Premiumweges Habichtswaldsteig. Bandurski und seine Mitpächter Jens Paeplow und Helmut Blum können damit durchaus leben. Und das Wild irgendwie auch.

„Wenn die Leute auf den Hauptwegen bleiben und die Hundehalter ihren Vierbeiner an der Leine lassen“, sagt Bandurski, „macht das alles keine Probleme“. Anders sehe es da schon mit den Waldbesuchern aus, die es nicht auf den Schotterpisten hält, sondern das Abenteuer abseits suchen. Dazu gehören die Geocacher, die modernen Schatzsucher, die gern durchs Unterholz streifen, noch mehr aber das motorisierte Publikum, Leute, die mit Geländemotorrädern und Quads bevorzugt Steilhänge befahren.

„Wenn die Leute auf den Hauptwegen bleiben und die Hundehalter ihren Vierbeiner an der Leine lassen, macht das alles keine Probleme.“

Mit den Motorsportlern hatte man in den vergangenen Jahren gerade im Revier Hattenhausen massive Probleme. „Die Crossfahrer stören, weil sie sich an keine Regeln halten“, sagt Jens Paeplow. Versuche der Polizei, die Crosser zu stellen, die sich bei ihren Ausflügen in den Wald strafbar machen, weil sie Schäden am Boden und in den Kulturen anrichten und weil sie bei ihren Touren die Nummernschilder abmontieren, damit man sie nicht identifizieren kann, scheiterten bislang. Paeplow weiter: „Die fahren durchs Wohnzimmer, durch die Einstände des Wildes.“

Und das hat Folgen. Weil sowieso schon recht viel Betrieb ist auf den Wegen - die ersten Jogger seien schon bei Tagesanbruch unterwegs, die letzten Spaziergänger in der Abenddämmerung - bereiten die schnellen, lauten Maschinen dem Wild extremen Stress. Die Rehe ziehen sich in die Dickungen zurück, trauen sich kaum noch auf die Wiesen an den Waldrändern, wo sie ihre bevorzugte Nahrung finden. Das Ergebnis sind vermehrter Verbiss an den jungen Bäumchen im Wald und auch Schälschäden.

Schäden verhindern

Diese Schäden zu verhindern, ist eine Aufgabe der Jäger. Sei es durch die Jagd, mit der die Bestände des Wildes in einem verträglichen Rahmen gehalten werden, aber auch durch Gespräche mit den Mitnutzern des Waldes, bei denen man um rücksichtsvolles Handeln wirbt. Und dabei, sagt Mitpächter Helmut Blum, stoße man auch überwiegend auf Verständnis.

Und wenn sich alle an die Spielregeln im Wald halten, sagt Ingo Bandurski, verspreche der Aufenthalt auch für alle zum Genuss zu werden.

Von Norbert Müller

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