Sechs Jahre Moskau: Pfarrersfamilie berichtet aus Zeit in Russland

Erinnerungsfoto: Die Pfarrer Christina und Markus Schnepel mit ihren Kindern Friedrich, Christoph und Henrike am Roten Platz in Moskau. Foto:  nh

Zierenberg/Hofgeismar. Zehn Jahre lang waren Markus und Christina Schnepel Pfarrer in Zierenberg, dann hieß es für das Ehepaar und die drei Kinder: Koffer packen. Für sechs Jahre ging es nach Moskau in die Evangelische Emmausgemeinde. Nun sind sie zurück, Markus Schnepel ist seit einigen Monaten Pfarrer in Hofgeismar.

In der kommenden Woche ist das Paar zu Besuch in der alten Heimat und berichtet im Christophorushaus von der Zeit in Russland.

„Kalt, dunkel, kriminell - diese Vorurteile hatten wir, bevor wir nach Russland gingen“, erinnert sich Markus Schnepel. Doch das hat sich gründlich geändert. „Wir haben keinen einzigen Tag bereut“, sagt der Pfarrer.

Rund 1000 Deutsche sind es, die in dem Moskauer Stadtviertel wohnen, in dem die Emmausgemeinde angesiedelt ist. Jedoch ist längst nicht jeder von ihnen Mitglied der Kirchengemeinde. Dafür muss man eigens eine Mitgliedschaft beantragen, erklärt Schnepel. Man gehört nicht automatisch dazu - auch wenn man in Deutschland evangelisch ist.

Im Mittelpunkt der Arbeit standen die wöchentlichen Gottesdienste. „Das ist der zentrale Treffpunkt“, sagt der 48-Jährige. Christina Schnepel hat sich derweil in der deutschen Schule eingebracht und Religion unterrichtet. Auch seelsorgerische Aufgaben und Konfirmandenunterricht übernahm das Paar sowie Besuche bei Empfängen der Botschaft. Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten habe es dagegen kaum gegeben.

Heimweh hatten die Schnepels vor allem im ersten Jahr ab und zu. Deutschland fehlte besonders, wenn man bestimmte Lebensmittel sucht, sagt Schnepel. „Es gibt beispielsweise keinen Quark, gute Wurst und guter Käse sind schwer zu bekommen.“ Viel zu bieten hat die Metropole dafür in den Bereichen Kultur und Sport. „Wir waren im Theater, in der Oper und bei Konzerten“, sagt Markus Schnepel. Auch bei Sportveranstaltungen ist die Familie oft gewesen - und hat dabei unter anderem Fußballer Kevin Kuranyi getroffen, der eine Zeit lang bei Dynamo Moskau spielte.

Auch die politischen Veränderungen hat die Familie verfolgt. Einen „der letzten großen Friedensmärsche“ vor gut anderthalb Jahren habe er sich angeschaut, sagt Schnepel. Danach habe Putin die Zügel angezogen. Dass die Einflussnahme der Regierung auf das Internet groß ist, weiß der Pfarrer. „Das Fernsehen ist komplett in Staatshand.“

Alles in allem war die Zeit in Moskau ein „großer Gewinn und eine Horizonterweiterung“. Die Kinder seien dort sehr glücklich gewesen, haben sich mittlerweile aber wieder in der alten Heimat eingelebt.

Am Donnerstag, 14. Januar, berichtet das Ehepaar Schnepel ab 20 Uhr im Zierenberger Christophorushaus über die Zeit in Moskau. Alle Interessierten sind eingeladen.

Von Julia Renner

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