Selbert-Schüler: Theaterstück spielt in der Psychiatrie

Theater in der Elisabeth-Selbert-Schule Zierenberg: In der Gruppentherapie: Maja Staginnus (Pflegerin, von links) , Leon Vogt (Olli), Marlene Heinekamp (Matze), Maria Pfalz (Dr. Stein), Melinda Rink (Kerstin), Nina Feuring (Sophie) und Lucy Burkamp (Fiona). Fotos: Neubauer

Zierenberg. Es ist ein karger Raum mit einfachen Tischen und Stühlen, der zum Schlafsaal oder Gruppenraum umfunktioniert wurde. Die Wände im Hintergrund: zugeklebt mit Medikamentenschachteln. Viel mehr brauchte es nicht, um den theaterspielenden Schülern der Zierenberger Elisabeth-Selbert-Schule den passenden Rahmen für ihr Stück „Der ganz normale Wahnsinn" zu geben.

Es ist kein leichtes Thema, dem sich die Jugendlichen gemeinsam mit der Kasseler Künstlerin und Schauspielerin Andrea C. Ortolano und Regisseurin Katrin Knoche angenommen haben. Die Frage, wo hört die Normalität auf und wo fängt der Wahnsinn an, ist dabei nicht so leicht zu beantworten. In einer Psychiatrie, dem Ort der Handlung, sollten eigentlich die Rollen gut zu erkennen sein. Hier die „verrückten“ Patienten, dort das „normale“ Personal. Anfangs ist das auch so, doch im Laufe des Geschehens verwischen die Grenzen immer mehr.

Dr. Stein (Maria Pfalz), Leiter der Anstalt, ist beispielsweise hoffnungslos überfordert und lässt sich die Führung nur zu gerne von einer Patientin (Larissa Euler) aus der Hand nehmen. Die zwei Pflegerinnen (Johanna Friedmann und Maja Staginnus) behandeln aggressive Patienten stets mit dem Singen eines lustigen Liedchens. Wenn das nicht mehr hilft, werden Beruhigungsmittel eingesetzt oder im schlimmsten Fall auch die Zwangsjacke.

In der Gruppensitzung wird deutlich, welche Schicksale sich hinter den einzelnen Patienten verbergen und wo die Ursachen ihrer „Macken“ liegen. Gegen Ende dann die überraschende Wendung, bevor das Stück mit einem offenen Schluss ein begeistertes Publikum zurück lässt.

Große Spielfreude

Mit großer Spielfreude und Einsatz bewältigten die Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn die anderthalbstündige Vorstellung bravourös, und das war gar nicht so selbstverständlich. „Wir leiten und wir leiden“, hatte Andrea C. Ortolano vor der Vorstellung nicht ohne Grund den etwa hundert Zuschauern in der Schulaula mitgeteilt.

Während der Vorbereitungsphase seien zwei Schülerinnen abgesprungen und zu guter Letzt über Nacht eine weitere erkrankt. Erschwerte Bedingungen, die die Schüler der Elisabeth-Selbert-Schule kurzerhand mit ihrer Spielfreude beiseite schoben und dafür tosenden Applaus ernteten.

Von Ursula Neubauer

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