Gericht verurteilte vier rumänische Einbrecher

Kassel/Wolfhagen. Wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls hat die 10. Strafkammer des Landgerichts vier Männer aus Rumänien verurteilt.

Die beiden 26 und 24 Jahre alten Haupttäter erhielten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten und bleiben in Haft. Die beiden 21 und 28 Jahre alten Angeklagten kamen mit 18-monatigen Bewährungsstrafen davon und wurden nach fast neun Monaten Untersuchungshaft freigelassen. 

Zuvor war das Verfahren gegen einen 36 Jahre alten Angeklagten, der nur an einem Einbruch beteiligt gewesen war, eingestellt. Die Männer hatten im März und April vergangenen Jahres insgesamt 13 Wohnungseinbrüche in Häuser unter anderem in Wolfhagen, Fritzlar, Hann. Münden und Hasungen begangen und dabei Bargeld, Schmuck, Goldbarren, Unterhaltungselektronik und vieles mehr im Gesamtwert von rund 180.000 Euro erbeutet.

Bei ihnen selbst blieb nur ein Bruchteil davon. Die Beute wurde nach ihren Angaben auf einem Fastfood-Parkplatz in Kassel an einen Türken oder Araber namens „Ali“ verkauft, der dafür zwischen 5000 und 7000 Euro bezahlte und der damit den weitaus größten Reibach der Beutezüge machte. Weil alle Täter voll geständig waren, konnte auf die Anhörung von 32 Zeugen verzichtet werden, was sich strafmildernd auswirkte. Zudem war keiner des Quartetts einschlägig vorbestraft, für drei war es gar die erste Begegnung mit Polizei und Justiz.

Auf der Anklagebank saßen keine Schwerkriminellen, sondern vier junge Männer, die alle aus der Stadt Mangalia am Schwarzen Meer kommen und der in Rumänien stark benachteiligten Gruppe der Roma angehören. Oft ohne Arufsausbildung, ohne Chance auf Arbeit oder eine Lebensperspektive, waren sie stets kurz vor den Einbrüchen nach Deutschland gekommen.

Von Kassel aus starteten sie zu ihren weitgehend ungeplanten Einbruchstouren. Die Häuser wurden eher zufällig ausgesucht, wenn sie „schön und modern“ aussahen. Alle Einbrüche ereigneten sich in den frühen Vormittagsstunden. Wenn sich auf langes Klingeln niemand an den Haustüren zeigte, wurden Fenster oder Türen aufgehebelt, während einer im Auto Schmiere saß. Die größte Beute mit 130.000 Euro machten sie gleich beim ersten Bruch am 12. März 2015 in Wolfhagen. Das Geld, dass sie von „Ali“ erhielten, gaben sie für Unterkunft, Verpflegung und Glücksspiel aus.

„Nie wieder zurück“

Der Verhandlung folgten sie meist mit gesenkten Köpfen. Immer wieder entschuldigten sie sich bei den Bewohnern der Häuser und beim Gericht. Bis auf einen wolle alle so schnell wie möglich zurück nach Rumänien. „Das war so schrecklich hier im Gefängnis, ich will nie wieder nach Deutschland zurück“, sagte einer von ihnen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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