Kaufmännisches Handwerk 

Schüler in Wolfhagen lernen in eigener Schulfirma

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Präsentieren das Angebot ihres Ladens „Pen und Paper“: Andrea Heidt (links) und Julienne Schmidt lernen in der Schulfirma der Herwig-Blankertz-Schule, wie ein reales Unternehmen funktioniert. Zusammen mitzwölf anderen regeln sie jeden Aspekt des Betriebes und verkaufen ihre Ware an Mitschüler.

Wolfhagen. In Wolfhagen steht die Arbeit in einem Betrieb auf dem Stundenplan. Die Herwig-Blankertz-Schule betreibt eine eigene Firma, in der die Schüler kaufmännische Tätigkeiten erlernen.

Wo andere Mathe, Deutsch oder Geschichte pauken, kümmern sich zwölf Schüler der Wolfhager Herwig-Blankertz-Schule jeden Tag um Kundenbestellungen, Kassenabrechnungen und Werbekampagnen. In der schuleigenen Juniorfirma lernen die Elftklässler mit kaufmännischer Fachrichtung in der Praxis wie ein Betrieb funktioniert.

In den Pausen verkaufen sie im Laden „Pen und Paper“ Schreibwaren an andere Schüler oder bestellen für ganze Klassen Bücher, Blöcke und Stifte - kein Spiel, sondern echter Geschäftsbetrieb. „Die Schüler machen alles bis zur Unterschrift fertig“, sagt Lehrerin Sandra Richter. „Ich als Geschäftsführerin genehmige das dann nur noch.“

Kümmert sich um die Preiskalkulation: Yannick Korte aus Istha berechnet die Kosten für die Bestellung einer Klasse seiner Schule – dabei geht es um echtes Geld.

Eine große Verantwortung für die Schüler in allen Abteilungen. Von Einkauf und Lager über Personal und Finanzen bis zu Marketing und Verkauf sind alle Bereiche eines Unternehmens vorhanden. Der Umsatz beträgt jährlich bis zu 7000 Euro. „Da ist es schon ein Vertrauensbeweis an die Schüler, ihnen die Kasse zu überlassen“, sagt Richter. Probleme habe es aber noch nie gegeben. Der Gewinn der Schulfirma fällt deutlich geringer aus und wird gleich wieder investiert. Seit 2004 trägt sich „Pen und Paper“ selbst. Zu Beginn gab es nur einen Startzuschuss des Fördervereins. Für die Schüler lässt sich der Profit aber nicht nur in Zahlen bemessen: „Man passt gut auf, dass man sorgfältig arbeitet und keine Fehler macht. So wird man sehr selbstständig“, sagt die 18-jährige Andrea Heidt.

„Mit dem Zertifikat und der Erfahrung hat man auch einen Vorteil, wenn man ins Berufsleben startet“, ergänzt ihre Mitschülerin, die 17-jährige Julienne Schmidt. Der Spaß kommt bei der Arbeit aber auch nicht zu kurz, sind sich beide einig. Ein Jahr lang sind die Schüler Teil des Projektes, für das sie auch eine Note erhalten. „Prüfungen mit Bezug zur Firma fallen dabei meist besser aus, als andere. Der Erfolg gibt uns hier recht“, sagt Richter.

Auch aktuelle Entwicklungen, wie zunehmende Einkäufe im Internet, machen vor dem Schulunternehmen nicht Halt. Auf Vorschlag der Schüler wird jetzt ein Online-Angebot für „Pen und Paper“ erstellt. Damit arbeiten werden Andrea und Julienne aber wahrscheinlich nicht mehr. Vor den Sommerferien übergeben sie ihre Aufgaben an ihre Nachfolger, die derzeit in Klasse zehn sind.

Einfach so kommt man natürlich nicht an einen Job in der Schulfirma: Die Zehntklässler müssen sich auf Stellen in den Abteilungen bewerben. Die Personalabteilung führt dann Bewerbungsgespräche und weist die Posten zu - ganz wie im echten Leben halt.

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