Strafen für Gaffer? Feuerwehren in Region befürworten das

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Schwerer Unfall, Auto ausgebrannt: Wer in dieser Situation stehen bleibt, um zu fotografieren, behindert die Arbeit der Rettungsdienste.

Kreis Kassel/Wolfhagen. Härtere Strafen für Schaulustige bei Unfällen oder anderen Katastrophen forderte Niedersachsens Grüne Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz beim Verkehrsgerichtstag in Goslar.

Bei den Feuerwehren im Kreis Kassel kommt der Vorschlag gut an, obwohl das Problem in der Region nicht massiv auftritt.

Durch Gaffer würde die Arbeit der Feuerwehr nicht direkt behindert, „aber sie sind lästig“, sagt Ingolf Aust, Gemeindebrandinspektor aus Niestetal. Gelegentlich stünden Leute im Weg herum, und manche würden sogar die Arbeit der Wehrmitglieder kommentieren. Eine Bestrafung für Gaffer, die Arbeiten behindern, findet Aust „absolut positiv“. Teilweise würden sogar Fotos veröffentlicht, auf denen Autokennzeichen oder Unfallopfer zu sehen sein. „Das gehört sich einfach nicht.“

„Wenn man manche nicht fern hält, kommen sie direkt bis zum Ort des Geschehens“, sagt Frank Brunst, Stadtbrandinspektor in Wolfhagen. Bei Feuern würden „manche zwischen den Schläuchen herumlaufen“, bei Unfällen halte mancher an, steige aus und mache Fotos, so Brunst. „Wir halten bei Unfällen immer mal Wolldecken hoch, damit die Rettungsdienste in Ruhe arbeiten können.“ Härtere Strafen befürwortet auch Brunst.

Niemanden gefährden

„Dank der Polizei haben wir damit keine Probleme“, sagt Dirk Wicke, Stadtbrandinspektor von Baunatal. Die Beamten würden Schaulustige vom Einsatzort fernhalten. Eine härtere Bestrafung von Gaffern würde Wicke begrüßen, sobald jemand Rettungskräfte oder Polizei behindert. „Schließlich stehen oft Menschenleben auf dem Spiel.“

Probleme mit Schaulustigen gebe es mal mehr und mal weniger, sagt Norbert Schmitz, Leiter der Feuerwehr Kassel. Durch die neuen Handygenerationen nehme die Veröffentlichung von Fotos und Videos von Unglücksstellen „Überhand“. Ob eine härtere Bestrafung der richtige Weg sei, müssten andere entscheiden, sagt Schmitz. Man solle aber auf jeden Fall Aufklärungsarbeit leisten.

Bei der Autobahnpolizei gebe es keine besonderen Auffälligkeiten, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. „Aber wir kennen das natürlich, dass Vorbeifahrende von einem Unfall Fotos machen.“ An einer Unfallstelle sei es wichtig, den Verkehrsfluss langsam zu halten, um niemanden zu gefährden - auch wenn dann Fotos gemacht werden können. Es verbiete sich, Bilder mit Opfern oder Kennzeichen zu veröffentlichen, so Werner. Er appelliere an alle, keine Katastrophen-Fotos zu machen.

Ein neuer Paragraf im Strafgesetzbuch soll nach dem Willen von Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz entstehen. Unter dem Titel „Behinderungen von Hilfeleistungen“ könnte es demnach bald strafbar sein, bloß sitzen oder stehen zu bleiben an Unfallstellen oder auch „sonstiges Nichtentfernen von Zugangshindernissen“. Die Ministerin will außerdem den Paragrafen zum „Schutz des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“ auf Tote erweitern. Bislang verstößt es nicht gegen das Gesetz, wenn Gaffer sogar Tote filmen oder fotografieren.

Entscheiden muss über eine solche Gesetzesänderung allerdings der Bund. Deshalb soll es eine Bundesratsinitiative geben.

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