350 Kilometer für seine Frau

"Fix und fertig, aber glücklich": Wolfhager von Gedenkritt nach Bremen zurück

Endlich am Ziel: Pferde und Reiter sind total erschöpft. Hinter Jochen Wassmuth liegen rund 350 Kilometer. Ziel war Baden, ein Vorort von Bremen. Foto: privat/nh

Wolfhagen. Jochen Wassmuth ist wieder da: „Wir sind fix und fertig, aber glücklich", sagt der Reiter, der mit zwei Pferden 350 Kilometer von Wolfhagen nach Bremen geritten ist.

Der Ritt, im Gedenken an seine Frau, die im vergangenen Jahr an Krebs starb, bewegte die Menschen. Allein der Facebook-Post der HNA Wolfhagen erhielt 2134 Likes und weit über hundert Kommentare von begeisterten Facebook-Nutzern. Von all dem Trubel bekam der Wolfhager nichts mit: „Am zweiten Tag war ich komplett abgeschnitten, weil ich mein Handy verloren habe." Über die vielen Glückwünsche ist er sichtlich gerührt.

In nur neun Tagen hat der 49-Jährige den Vorort von Bremen erreicht, wo ihn seine Freunde schon erwarteten. Die Hitze während seines Rittes machte dem Trio sehr zu schaffen. „Wir sind morgens in aller Frühe los und haben eine Strecke von 30 bis 35 Kilometer zurückgelegt. Mittags habe ich dann eine Unterkunft gesucht.“ Was sich nicht immer einfach gestaltete. „Ich habe nur zweimal ein Bett gesehen, in den anderen Nächten habe ich im Stroh oder bei meinen Pferden auf der Weide geschlafen.“

Es sei schon sehr schwierig allein mit den Pferden gewesen. „Zwei Hände waren zu wenig.“ Deshalb klappte es auch manchmal nicht mit dem Einkaufen. „An zwei Tagen hatte ich nur Wasser und Studentenfutter zu essen“, erzählt Wassmuth lachend. Die Pferde waren dagegen immer gut versorgt. Gras gab es überall und mit einem faltbarem Eimer konnte er den Tieren Wasser aus dem Bach oder Fluss schöpfen.

Eine faszinierende Erfahrung waren für Wassmuth das Alleinsein und die Stille. Dies ermöglichte ihm auch die Trauerarbeit im Bezug auf seine verstorbene Frau. „In aller Frühe war das Licht so wunderschön, bei den Sonnenaufgängen lag der Dunst noch über der Weser. In diesen Augenblicken sind oft die Tränen geflossen.“

Umso mehr sei es für ihn nach der Stille fast ein Schock gewesen, wieder unter vielen Menschen zu sein. „Als wir in Bremen waren, bin ich wie in Trance durch die Stadt gelaufen.“ Auf der Rückfahrt mit dem Pferdetransporter habe er im Auto die Musik und Werbung aus dem Radio nicht ertragen können. So langsam kommt Jochen Wassmuth wieder in der Realität an.

Auf die Frage, ob er einen solchen Ritt noch einmal plant, lacht er: „Auf jeden Fall, aber dann gemeinsam mit anderen Pferdeleuten.“ Derer gibt es übrigens viele. „Zuhause und auch während des Rittes habe ich bei einigen den Funken entzündet, es mir gleich zu tun.“

Der Facebook-Post der HNA:

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