Unterwegs mit zwei Pferden

Wolfhager reitet zum Gedenken an seine Frau 350 Kilometer nach Bremen

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Am Mittwoch ist Jörg Wassmuth zu einem zehntägigen Ritt von Wolfhagen nach Bremen aufgebrochen.

Wolfhagen. Jochen Wassmuth hat ein Ziel. In zehn Tagen will der Wolfhager in Bremen sein. Die Reise tritt er hoch zu Ross an. 

Er und seine vor einem Jahr verstorbene Frau hatten immer davon geträumt, auf Pferden von Wolfhagen Richtung Meer zu reiten.  

Andvari und Cisco sind die Ruhe selbst. Während Jochen Wassmuth mit etwas Mühe die beiden Seesäcke auf dem Pferderücken zurechtrückt, lässt sich der Isländer Andvari beim Dösen nur einmal von einer Fliege stören. Dabei stehen die beiden Pferde kurz vor ihrer größten Herausforderung: Ihr 49-jähriger Besitzer reitet von Wolfhagen nach Bremen. „Ich will in zehn Tagen da sein. Bis dahin lege ich bis zu 350 Kilometer zurück“, hat Wassmuth ausgerechnet, der sich nicht etwa per Navi im Smartphone fortbewegt, sondern ganz traditionell mit Hilfe von Wanderkarten, die er vor seinen Sattel klemmt. 

30 bis 40 Kilometer will er pro Tag auf dem Pferderücken zurücklegen, eins der Tiere wird jeweils geritten, dass andere trägt das Gepäck. Um die Pferdehufe zu schonen, geht es durch Feld und Flur. Eine feste Route gibt es nicht. „Ich weiß nicht, was mich erwartet, und ich muss mich auch nach dem Wetter und der Kondition der Pferde richten.“ Wassmuth hofft, dass er zum Übernachten eine Weide für die Pferde und für sich ein Bett findet. „Notfalls schlafe ich auch auf einem Bauernhof im Heu.“ 

Der Anlass für den Ritt zu Freunden in Bremen ist ein trauriger. Im Herbst vergangenen Jahres starb Wassmuths Frau an Krebs. „Wir haben immer von einem Wanderritt Richtung Meer geträumt“, erzählt Jochen Wassmuth. Den Traum erfüllt er sich nun allein. Der Ritt sei zugleich Gedenken und Trauerbewältigung, aber auch Pilgertour und Herausforderung. Es reize ihn, viele Stunden auf dem Pferd mit sich und seinen Gedanken allein zu sein. Das einzige Kommunikationsmittel ist ein altes Handy. „Vorteil ist der, dass es nur einmal in der Woche geladen werden muss“, sagt der Wolfhager augenzwinkernd. 

Wochenlang hat er mit seinen Pferden für den großen Tag am gestrigen Mittwoch trainiert. „Die beiden sind topfit.“ Dabei handelt es sich quasi schon um Pferde-Senioren. Der Isländer Andvari ist 18 Jahre alt, der Spanier Cisco sogar 20. Für den Fall, dass einer von den beiden doch schlapp machen sollte, hat Jochen Wassmuth vorgesorgt. Seine Freunde würden ihm dann ein Ersatzpferd bringen und das andere abholen. 

Wenn er bei seinen Freunden nahe Bremen ankommt, wird sich das Trio erstmal ausruhen. Sicher ist auch einmal Zeit für einen Ausflug zum Meer. Diese Distanz und auch die Rückfahrt werden allerdings weniger strapaziös: Reiter und Pferde reisen bequem per Auto und Transporter.

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