Mit dem Bus nach Thessaloniki

Wolfhagerin hilft Flüchtlingen in Griechenland

Ein bisschen Freude schenken: Nadine Schomburg aus Wolfhagen ist nach Thessaloniki in Griechenland gereist, um Flüchtlingen etwas Gutes zu tun. Das Bild zeigt sie mit drei Mädchen aus Syrien, die selbstgebastelte Halsketten tragen. Foto: privat/nh

Wolfhagen/Thessaloniki. „Ich wollte mir ein Bild von der Lage der Flüchtlinge in Griechenland machen und einfach helfen", sagt Nadine Schomburg aus Wolfhagen.

Deshalb ist die 38-Jährige am 31. Juli mit dem Bus nach Thessaloniki gefahren.

Zwei Tage hat die Hinfahrt gedauert, bezahlt hat sie die zehntägige Reise selbst. In der zweitgrößten Stadt des Landes machen Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan Zwischenstation. Viele von ihnen wollen von dort über Ungarn und Österreich nach Deutschland oder Skandinavien reisen. West-Balkanroute wird der Weg genannt. Die Zahlen von Flüchtlingen haben zugenommen, die bei dem Versuch aufgegriffen wurden, die Grenzen auf diesem Weg zu passieren. Laut der Agentur Frontex, zuständig für den Schutz europäischer Grenzen, waren es im Jahr 2009 noch etwa 3100 Menschen, zwischen Januar und Mai 2015 sollen es bereits 50.000 Menschen sein.

„Die meisten von ihnen haben sich am Busbahnhof gesammelt und zum Teil im Park übernachtet“, sagt Schomburg. Sie selbst hat erst bei einem Freund geschlafen, der sich ebenfalls in Thessaloniki engagiert, anschließend lebte sie mit anderen Aktivisten in einer alten Bierfabrik.

Für etwa 600 Euro hat sie vor Ort für die Menschen Nektarinen und Pfirsiche gekauft. Babywindeln, Seife, Wasser und Luftballons. Verteilt habe sie die Güter dann mit einer Aktivistengruppe namens Refugee Solidarity Movement Thessaloniki, deren Mitarbeiter sich ebenfalls freiwillig um die Flüchtlinge kümmern. Privatleute, sagt Schomburg, „von denen keiner einen Cent für diese Arbeit bekommt.“ Für sie selbst sei das Glück der Menschen Bezahlung genug gewesen. Den Kindern hat sie selbstgenähte Rucksäcke geschenkt und Halsketten gebastelt, mit einem Stern als Anhänger. „Kinder sind mein Spezialgebiet“, sagt sie lächelnd. Eigene Kinder will sie aber nicht. „Nicht in diese Welt“.

Wichtig ist Nadine Schomburg, auf die Situation der Flüchtlinge hinzuweisen. „Meine Bedenken sind, dass diese Menschen in Thessaloniki noch nicht am Ziel sind. Sie kämpfen um ihr Überleben.“ Am besten wäre den Flüchtlingen geholfen, wenn man sie legal einreisen ließe, vermutet sie. „Dann würden sie nicht im Mittelmeer versinken. Mauern bauen und Boote zerstören ist auch Krieg“, sagt sie.

Hintergrund

Nadine Schomburg engagiert sich auch in Wolfhagen für Flüchtlinge, bald will sie auch einen Nähkurs anbieten. Auf www.fairaendern.org hat sie über ihren Griechenland-Aufenthalt Tagebuch geführt.

Weitere Informationen unter Telefon 05692/9948431 und per Email unter info@fairaendern.org

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