AfD-Politiker hetzt gegen Juden: Klasen will nicht zurücktreten

Zierenberg/Kreis Kassel. Weil der AfD-Kreistagsabgeordnete Gottfried Klasen (66) im Internet gegen Juden gehetzt hat, fordern die Kreistagsfraktionen von SPD, FDP und Grünen den Ausschluss des Zierenbergers aus Partei und Fraktion.

Klasen hatte nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau (FR) vor kurzem via Facebook erklärt, der Zentralrat der Juden habe „die politische Meinungsbildungshoheit sowie die politische Kontrolle über Deutschland“. Der Zentralrat infiltriere alle Parteien, auch die AfD, um diese Kontrolle nicht zu verlieren. „Seine Fleischtöpfe muss man ja nun schließlich hüten, damit man sich auch in Zukunft üppig daraus bedienen kann“, wird er in dem FR-Beitrag zitiert.

Dr. Gottfried Klasen

Zudem kommentierte Klasen laut FR einen Bericht über den polnischen Großvater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der im Ersten Weltkrieg möglicherweise gegen das Deutsche Reich gekämpft haben könnte: „Na ja, polnische Juden halt...“

Der FR, die seine Aussagen veröffentlicht hatte, warf er „unredliche Arbeitsweise“ vor. Einen Rücktritt lehnt er aber ab. „Ich bin kein Antisemit, ich bin aber auch nicht mit allem einverstanden“, sagte Klasen auf HNA-Anfrage. Die Veröffentlichungen seiner Kommentare seien „völlig aus dem Zusammenhang gerissen und zum Teil verschärft worden“. Er lasse rechtliche Schritte prüfen.

Florian Kohlweg, Partei- und Fraktionschef der AfD im Kreis, will die Situation intern erläutern und dann „eventuell Stellung beziehen“. Vorschreiben lasse sich die AfD ihre Vorgehensweise nicht. „Für Antisemitismus gibt es keinen Milimeter Raum in diesem Land“, erklärte FDP-Fraktionschef Björn Sänger. CDU-Kollege Frank Williges fordert die AfD auf, Konsequenzen zu ziehen. Was Klasen gesagt habe, sei „völlig inakzeptabel.“

Hintergrund: Erklärung auf Facebook-Seite

Gegen die Vorwürfe zu seinen antisemitischen Äußerungen wehrt sich Dr. Gottfried Klasen auch auf seiner Facebook-Seite. Dort beteuert er, dass „sowohl die AfD, als auch ich persönlich, lehnen jede Form von Extremismus, Fanatismus und Rassismus entschieden ab“. Es solle in „gewissen Journalistenkreisen“ üblich sein, so erklärte Klasen, „durch die Kumulation an sich unzusammenhängender Einzelfakten“ ein „völlig falsches“ Bild einer Person zu erzeugen. Gleichzeitig unterstützt und teilt Klares aber Zitate von Ex-AfD-Schatzmeister Peter Ziemann, der ebenfalls durch wüste antisemitische Zitate im Internet aufgefallen war und seinen Hut nehmen musste.

Artikel aktualisiert um 18.40 Uhr.

Rubriklistenbild: © dpa

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