Funde unterm Mikroskop

Geologen haben bei Zierenberg unbekannte Fossilien entdeckt

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Naturdenkmal am Großen Gudenberg: Dort haben Dr. Reiner Kunz (rechts) und Dirk Gille den Boden auf Fossilien untersucht.

Zierenberg. Die Entdeckungen am Großen Gudenberg bei Zierenberg bewegen sich im Millimeterbereich. Und doch sind sie für die Wissenschaft von einiger Bedeutung. Bereits vor zwei Jahren hatten die Geologen Dr. Reiner Kunz, Dr. Jürgen Fichter und Dirk Gille, Spezialist für Haifischzähne, für den Geopark Grenzwelten einen Bereich des Sandes untersucht, der sich auf der Westseite des Berges befindet.

Unterm Mikroskop entdeckten die Männer zahlreiche Mikrofossilien, darunter Teile von Muscheln, Moostierchen, Korallen und Seeigeln sowie Zähne von Haifischen und Rochen. Zwischen 25 und 30 Millionen Jahre dürften die tierischen Überbleibsel alt sein.

Mit der genauen Analyse des Sandes befassen sich derzeit Wissenschaftler an verschiedenen deutschen Universitäten und Instituten. Diese Arbeit werde noch einige Jahre dauern, sagt Fichter. Aber schon jetzt deute sich an, dass unter den Funden neue Arten seien, die zuvor nicht bekannt waren und die nun von Experten genauer bestimmt werden. Beachtlich an den Funden sei zudem, dass sie sehr umfassend seien – also verschiedene Arten nebeneinander entdeckt wurden.

Feinkörniger Quarzsand

Die Fossilien befanden sich im sogenannten Kasseler Meeressand. Bei ihm handelt es sich um einen unter marinen Verhältnissen gebildeten, feinkörnigen Quarzsand. Bedeutende Mengen im Raum Kassel befinden sich am Gelben Berg bei Kaufungen. Standorte im Wolfhager Land gibt es am Bärenberg und am Großen Gudenberg. „Allerdings bedeutet das Vorhandensein des Kasseler Meeressandes nicht automatisch, dass es in ihm auch Fossilien gibt“, sagt Kunz. So können sich durch Lösungsprozesse im Laufe von Millionen Jahren die aus Kalk bestehenden tierischen Relikte zersetzt haben. Auch mechanische Vorgänge können zur Verwitterung des fossilen Materials geführt haben.

Am Großen Gudenberg weist der Quarzsand eine Mächtigkeit von zehn Metern auf. Die Uni Mainz hatte vor zwei Jahren bei Kunz, der bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel tätig ist und auch zuständig für die Genehmigung von Grabungen in Naturdenkmälern, für ein anderes Forschungsprojekt Arbeiten im Gelände angemeldet. „Wir haben uns dann als Geopark angehängt“, erklärt er den plötzlichen Eifer. Die Fundstücke sollen später einmal im Regionalmuseum Wolfhager Land ausgestellt werden. Und im nächsten Jahr soll über die Entdeckungen am Großen Gudenberg ein populärwissenschaftlicher Text geschrieben und in einem Sonderheft der Zeitschrift „Fossilien“ veröffentlicht werden.

Ohne Erlaubnis keine Grabung

Bei dem Fundort am Großen Gudenberg handelt es sich um ein Naturdenkmal. Somit ist eine Suche nach Fossilien ohne Genehmigung nicht erlaubt. Die Erlaubnis zum Graben gibt es nur, wenn die Stadt Zierenberg als Eigentümerin, das Forstamt Wolfhagen, die paläontologische Denkmalpflege in Wiesbaden und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel zustimmen. Das Besondere am Großen Gudenberg ist der Kasseler Meeressand, der dort als Aufschluss vorkommt. Die Quarzsande sind in der Region um Kassel weit verbreitet, allerdings wurden inzwischen viele Sandgruben wieder verfüllt. Vor 25 bis 30 Millionen Jahren befand sich der Raum Kassel auf Meeresspiegelniveau. Zeitweise gab es sogar eine Verbindung vom Nordmeer über die Hessische Senke, den Oberrheingraben und das Rhonetal zum damaligen Südmeer. (ant)

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