Oelshäuser Ehepaar bei Oldtimer-Traktor-WM

Mark und Melanie Stiefel genießen den Sommer auf ihrem Lanz Bulldog

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Auf dem Weg zur Oldtimer Traktor WM: Mark und Melanie Stiefel aus Oelshausen verladen ihren Lanz Bulldog auf einen Lastwagen und starten am Wochenende am Großglockner bei der Oldtimer-Traktor-Weltmeisterschaft.

Oelshausen. Das dritte Mal in Folge starten Mark und Melanie Stiefel mit ihrem Lanz Bulldog bei der Oldtimer-Traktor-Weltmeisterschaft in Bruck (Österreich).

Das Ehepaar aus Oelshausen verlädt seinen 65 Jahre alten Lanz Bulldog am Mittwoch auf einem Lkw und fährt in Richtung Alpen.  Holt Mark Stiefel sein Schätzchen aus der Garage, geht für ihn die Sonne auf. Während sich andere im Cabrio den warmen Wind um den Kopf wehen lassen, genießt der Oelshäuser die arbeitsfreien Sommer-Wochenenden auf seinem Trecker. Stiefel nennt einen Lanz Bulldog D 9506 aus dem Jahr 1951 sein Eigen. Am Wochenende startet er mit Ehefrau Melanie bei der Oldtimer-Traktor-Weltmeisterschaft unterhalb des Großglockners.

Es ist seine dritte Teilnahme an der WM, bei der es darum geht, auf einer Distanz von sechs Kilometern eine festgelegte Zeit einzuhalten. In einer zweiten Disziplin muss die erste Hälfte einer 15 Kilometer langen Strecke in derselben Zeit absolviert werden wie der zweite Abschnitt. Mark Stiefel wird den Bulldog die Serpentinen den Berg hinauf lenken, immer den Großglockner vor der Nase. Ehefrau Melanie sitzt neben ihm, hat die Stoppuhr im Blick und gibt Anweisung.

Vor zwei Jahren landeten beide abgeschlagen im letzten Drittel des Feldes, im vergangenen Jahr wurden sie 64., und für den Wettbewerb am Wochenende erhoffen sie sich wieder eine Steigerung. Wenn auch eine Portion Ehrgeiz mit unterwegs ist, so machen in erster Linie aber die Berge und die Atmosphäre den Reiz der Unternehmung aus. „Wenn ich wählen kann zwischen gutem Wetter und Letzter werden und schlechtem Wetter und gewinnen, ist mir die erste Variante lieber“, so Stiefel.

Im österreichischen TV

Um die 550 Fahrer von Oldtimer-Traktoren haben sich zur WM angemeldet. Mit seinem Bulldog wird der 41-Jährige die Aufmerksamkeit auf sich lenken. „Denn so viele gibt es von denen nicht mehr“, so Stiefel. Im vergangenen Jahr kam er mit seinem Gefährt sogar ins österreichische Fernsehen. Der Lanz Bulldog wurde in den 1930er-Jahren entwickelt und bis Mitte der 1950er-Jahre produziert. „Vorm Krieg gab es nichts Besseres als einen Lanz Bulldog“, sagt er. Später wurde die Technik innovativer, und die meisten Bauern verschrotteten ihre Bulldogs.

Als er vor einigen Jahren den alten Traktor entdeckte, schlug sein Herz höher. Bereits als Kind hatte Mark Stiefel neben seinem Opa auf dem Trecker gesessen und war mit ihm auf die Felder gefahren. Stiefel ließ den Bulldog restaurieren und nutzt ihn nun als Cabrio. Zusammen mit seiner Frau oder seinem Sohn unternimmt er Ausflüge ins Umland. Schneller als 35 Kilometer pro Stunde wird es selten.

„Die Leute freuen sich, wenn sie uns sehen“, sagt der Oelshauser, der im Dorf einen Innen- und Außenputzbetrieb hat. Einmal habe sie ein Fan regelrecht verfolgt. „Wir fuhren über Fritzlar an den Edersee und von dort zurück nach Oelshausen“, sagt Stiefel. Der Fremde habe zweimal überholt, um Traktor und Crew zu fotografieren. „Zuhause haben wir dann seine Fragen beantwortet."

15 Minuten bis zum Start

45 PS, 10,3 Liter Hubraum und ein Zylinder – das sind die technischen Fakten zum Lanz Bulldog D 9506 von Mark Stiefel aus dem Jahr 1951. Das Besondere an dem Ackerschlepper der Heinrich Lanz AG aus Mannheim ist aber der Einzylinder-Zweitakt-Vielstoffmotor. Der kann mit Dieselkraftstoff, Salatöl und Teeröl gefüttert werden. Doch ehe der Bulldog lostuckert, muss sich sein Fahrer fürs Anlassen etwas Zeit nehmen. Zunächst hält Mark Stiefel eine Heizlampe an die Glühnase im Glühkopf des Traktors. Das kann bis zu einer viertel Stunde dauern. Sobald die Glühnase heiß ist, kann die Kraftstoffpumpe betätigt werden. Per Hand wird der Kraftstoff auf die Glühnase gespritzt. Hierfür wird die Anwurfscheibe an der Seite des Motors gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Dabei wird der Kolben des Motors gegen den Todpunkt zurückbewegt und der Motor springt an. Weil das Procedere relativ zeitraubend ist, haben die Landwirte früher während ihrer Pausen auf dem Feld den Bulldog einfach laufen lassen.


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