Ein Kraftwerk in Mini

Deutschlandpremiere in Zierenberg: Energie aus Abwasser

Kleine Turbine, große Wirkung: Joachim Krämer hat die Turbine für Kläranlagen gemeinsam mit der Uni Kassel und dem Fraunhofer Institut entwickelt.

Zierenberg. Deutschlandpremiere für ein Mini-Wasserkraftwerk, das mit dem gereinigten Abwasser von Kläranlagen wirtschaftlich Energie erzeugt: Die Turbine wurde am Freitag in der Zierenberger Kläranlage erstmals unter Realbedingungen in Betrieb genommen.

Entwickelt hat es die Oberelsunger Firma Krämer Energietechnik gemeinsam mit der Uni Kassel und dem Fraunhofer Institut.

Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Bevor das Abwasser die Kläranlage verlässt, wird es in Rohren mit Gefälle in den Bach geleitet. An der Position, wo das Wasser abwärts fließt, wird die Turbine eingebaut und von der Wasserkraft angetrieben.

„Die Anlage produziert im Jahr rund 8000 Kilowatt Strom. Dies wird der Stadt Zierenberg beim Eigenverbrauch 20 Cent pro Kilowatt-Stunde sparen.“

„Eine solche Turbine für Kläranlagen ist einzigartig“, erklärt Professor Dr. Martin Lawerenz von der Uni Kassel. Interessant sei dabei noch die ökologische Komponente, weil die Turbine unmittelbar an das Stromnetz der Kläranlage angeschlossen sei.

Wasser marsch: Zierenbergs Kläranlagenleiter Frank Schmidt setzt die Turbine in Betrieb. Fotos: Ricken

„Die Anlage produziert im Jahr rund 8000 Kilowatt Strom. Dies wird der Stadt Zierenberg beim Eigenverbrauch 20 Cent pro Kilowatt-Stunde sparen“, rechnet Firmenchef Joachim Krämer vor. Die Oberelsunger Energietechnik-Firma hat die Anlage der Stadt Zierenberg kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug könne der Prototyp in Zukunft von interessierten Kommunen und Industriebetrieben besichtigt werden, sagt Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn.

Eine ähnliche Kooperation gibt es mit der Stadt Kassel. Ende des Jahres wird Krämer auch dort eine Turbine einbauen. Das Oberelsunger Unternehmen will den Betrieb der kleinen Wasserkraftwerke engmaschig überprüfen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen im kommenden Jahr die ersten Turbinen verkauft werden. „Ich habe schon acht ernsthafte Anfragen“, freut sich Krämer.

Förderung durchs Land 

Gefördert wurde die Projektentwicklung von der Hessenagentur, die damit innovative Unternehmensideen unterstützt. Drei Jahre hat es gedauert, bis die Turbine in Betrieb genommen werden konnte. Das Team um die Kasseler Wissenschaftler Prof. Lawerenz und Prof. Marcus Ziegler aus den Fachbereichen Maschinenbau sowie elektrische Maschinen und Antriebe, war wochenlang zu Gast bei der Firma Krämer in Oberelsungen.

Von Bea Ricken

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