Laubbaum leiden unter Triebsterben

Pilzbefall: Fast 90 Prozent der Eschen im Wolfhager Land sind bedroht

+
Deutliche Symptome des Triebsterbens an Eschen: Zierenbergs Revierförster Peter Treude betrachtet eine junge Esche, die vom Pilz befallen ist. Über seiner Hand hat sich der Stamm des Baumes bereits braun verfärbt. In der Bildmitte oben und im kleinen Bild sind die dunklen, toten Blätter der Esche zu sehen.

Zierenberg. Für edle Möbel liefert die Esche den Rohstoff. Das Holz des Laubbaums ist gefragt als Parkett, als Stiel steckt es in vielen Werkzeugen. Das könnte sich künftig ändern.

Denn seit einigen Jahren bedroht eine Krankheit die Baumart. Bis zu 90 Prozent der Eschen in den Wäldern des Wolfhager Landes sind befallen von einem Pilz, der die Leitungsbahnen der Pflanze verstopft und zum Triebsterben führt. Die Hoffnung der Förster stützt sich auf jenen kleinen Anteil von Eschen, bei dem bislang keine Symptome beobachtet wurden, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen.

„Auf diese gut zehn Prozent der Eschen müssen wir uns konzentrieren“, so Zindel weiter. Diese augenscheinlich gesunden Bäume erhielten bei der Pflege besondere Aufmerksamkeit. Konkurrierende Pflanzen würden entfernt, damit sich die symptomfreien Eschen optimal entwickeln.

Warum einige Eschen erkranken und andere nicht, ist nicht geklärt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass einige unter ihnen im Frühjahr später austreiben und im Herbst früher das Laub abwerfen. Aber das sei nur eine Hypothese, die wissenschaftlich nicht belegt sei, sagt Peter Treude, Revierförster im Stadtwald Zierenberg, wo es ein verhältnismäßig starkes Eschenaufkommen gibt.

Treude und Zindel beschreiben die Lage als ernst. Das Eschentriebsterben dezimiert die Bestände. Erstmals aufgefallen war das Problem in der Region im Jahr 2010. Innerhalb der folgenden Jahre sei das Triebsterben dynamisch vorangeschritten. „Wie eine Seuche zog der Pilz durch die Bestände“, sagt Treude.

Für den Revierförster ist die Situation besonders ärgerlich. Denn der Zierenberger Stadtwald bietet mit seinen gut durchfeuchteten, nährstoffreichen Basalt- und Muschelkalkböden ideale Voraussetzungen für einen artenreichen Wald mit hohem Edelholzanteil. „So ein Standort ist in der Bundesrepublik sehr, sehr selten.“ Bei knapp 15 Prozent liegt der Edelholzanteil derzeit im Zierenberger Stadtwald, schätzt Treude. Schreitet das Triebsterben bei den Eschen weiter voran, könnte er geringer werden.

Bekämpfen lasse sich die Krankheit nicht. „Gegen einen Pilz hat man keine Chance“, meint der Zierenberger. Denn theoretisch müsste jedes befallene Blatt vom Boden aufgelesen werden – „dass das nicht geht, dürfte jedem einleuchten.“ Die Sporen des Pilzes verbreiten sich sehr schnell. Eschen, die befallen sind und deren Holz noch verwertbar ist, würden irgendwann geerntet. Der wirtschaftliche Schaden lässt sich schlecht abschätzen, weil es die älteren Bäume sind, die vermarktet werden, sie aber sind weniger stark befallen. Für den Festmeter Eschenholz zahlen Kunden über 130 Euro. Bei Submissionen, bei denen hochwertiges Holz an Meistbietende verkauft wird, wurde für Eschenholz schon 900 Euro pro Festmeter gezahlt, sagt Treude.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.