Erinnerung an Zierenberger Juden: Gunter Demnig verlegte an sechs Stellen in der Altstadt 22 Stolpersteine

Steine bringen die Namen zurück

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Der Mann mit Hut: Gunter Demnig verlegte am Mittwochnachmittag 22 Stolpersteine in Zierenberg, die an Zierenberger Juden erinnern, die hier einst zu Hause waren. Am Marktplatz setzte er vier Steine zur Erinnerung an Familie Lamm ins Pflaster.

Zierenberg. Es waren bewegende Stunden in Zierenbergs Altstadt. An sechs Stellen verlegte der Berliner Künstler  Stolpersteine, in deren goldglänzende Oberfläche Namen und Schicksale eingeschlagen sind. Es sind die Namen von Juden, die einst in Zierenberg zu Hause waren, von den Nationalsozialisten verschleppt wurden und von denen nur sehr wenige den Holocaust überlebten.

„Auch für uns in Zierenberg sollen heute Stolpersteine die Namen der Menschen zurückbringen, für die einmal auch unsere Stadt Heimat gewesen ist“, sagte Wilfried Wicke, Pfarrer a. D. und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur Zierenberg zur Begrüßung der rund 100 Menschen, die die Aktion begleiteten.

Innerlich sehr bewegt

Pfarrerin Dorothee Rahn begrüßte „ herzlich und innerlich sehr bewegt“ Ilse Tzur (geborene Kaiser) und ihren Sohn Shlomo aus Israel, deren Enkelin Shahar, die in London lebt und weitere Angehörige der Familie aus Berlin. (Artikel unten).

Während der jährlich stattfindenden Gedenkstunde zur Reichpogromnacht verlese man am Standort der ehemaligen Synagoge immer die Namen jener jüdischen Menschen, „denen damals auch in Zierenberg auf menschenverachtende, brutale und verbrecherische Weise das Wohnrecht und das Lebenrecht entzogen worden ist“, sagte Bürgermeister Stefan Denn (SPD). „Ab heute nun soll nun das erinnernde Gedenken an sie auch sichtbar Gestalt in unserer Stadt gewinnen.“ Und zum Gedenken gehöre die Trauer über das, was damals geschehen ist. Dieser Trauer wolle man nun auch mit der Verlegung der Stolpersteine Ausdruck verleihen mit dem Bekenntnis „Es tut uns leid“. Denn weiter: „Und das nun nicht im stillen Kämmerlein unseres Herzens, sondern in aller Öffentlichkeit.“

Vor der früheren Synagoge und fünf weiteren Häusern verlegte Gunter Demnig – unterstützt von Mitarbeitern des Bauhofes – Stolpersteine, die an die Familien Lamm, Rothschild, Kaiser und Holzapfel erinnern. Zu jeder Familie wurde eine Kurzbiografie verlesen, der jüdische Musiker Dany Bober aus Wiesbaden begleitete mit Psalmen und Gesängen.

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