Uhrmachermeister Hans Voigt feiert seinen 102. Geburtstag

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Feierte am Sonntag seinen 102. Geburtstag: Hans Voigt mit seinem Neffen Bernd Estler, dessen Ehefrau Gerhild und Betreuer Uwe Ickler.

Zierenberg. Als er geboren wurde, regierte in Deutschland noch der Kaiser: Hans Voigt feiert heute seinen 102. Geburtstag.

Als er vor zwei Jahren seinen 100. Geburtstag feierte, störte es Hans Voigt kaum, dass er sich nicht an alle Stationen seines langen Lebens erinnern konnte. „Es ist ja schließlich auch sehr viel, was man in 100 Jahren erlebt“, sagte er damals und lächelte zufrieden, als er auf seine alte Armbanduhr blickte. Das gute Stück trägt er auch heute noch, zu Erzählungen über seine Arbeit als Uhrmachermeister aber animiert sie ihn nicht mehr. Seit einem Unfall im vergangenen Jahr hat Hans Voigt gesundheitlich stark abgebaut, kann seine Gratulanten zum 102. Geburtstag deshalb auch zumindest verbal nicht mehr mitnehmen auf eine Zeitreise durch sein Leben.

Am 13. März 1914 geboren, war für den Jubilar schon während der Schulzeit klar, dass er die Familientradition fortführen und eine Ausbildung zum Uhrmacher machen würde. Schon sein Großvater hatte in Kassel ein Uhrmachergeschäft, das Vater Heinrich später übernahm. Seine eigene Ausbildung begann Hans Voigt mit 14 Jahren zunächst in Biedenkopf, bevor er an die renommierte Uhrmacherschule im sächsischen Glashütte wechselte, wo er auch seine spätere Frau Hedwig kennenlernte.

Doch dort liegt auch der Beginn einer der dunkelsten Zeiten seines Lebens. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen, der ihn mit der Panzerabwehr unter anderem nach Afrika führte. Nach seiner Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zog er mit seiner Frau zurück ins heimische Kassel, wo er das väterliche Geschäft weiterführte. Fischgasse, Töpfermarkt, Treppenstraße - in den verschiedenen Filialen kümmerte er sich nicht um die Uhren seiner Kunden und die Ausbildung des Nachwuchses, wenn er nicht gerade mit einem langjährigen Freund und Kollegen auf Reisen quer durch Deutschland war.

Mit seiner Frau blieb er lieber in der Heimat, erwanderte gern die Region und lebte eine ganz besondere Leidenschaft: die Jagd. Die pflegte er bis ins hohe Alter und ist noch heute Ehrenmitglied Kreisjagdverein Wolfhagen. Einige Mitglieder ließen es sich dann auch nicht nehmen, persönlich zum Ehrentag zu gratulieren, den er im kleinen Kreise im Zierenberger Altenheim am Falkenweg feiert, wo er seit gut drei Jahren lebt. Auch wenn er es selbst nicht mehr äußern kann, Hans Voigt fühlt sich hier wohl, das sieht man ihm an, und das hat er vor zwei Jahren auch noch voller Begeisterung seinen damaligen Geburtstagsgästen mitgeteilt: „Ich habe hier viele nette und heitere Menschen um mich herum, das ist heute das Wichtigste für mich.“

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