126.07.1026.07.10|Erfolgsgeschichten|
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Als Kind hat er seine Heimat verlassen. „Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern“, sagt Robel Mesgena. Damals war er zwölf Jahre alt, und sein Geburtsland Eritrea hatte sich noch nicht von den Folgen des jüngsten Krieges mit dem Nachbarstaat Äthiopien erholt. In den Kriegswirren von 1998 bis 2000 verlor Robel seine Eltern aus den Augen.

Will gern für Deutschland laufen: Robel Mesgena ist deutscher Vizemeister über 3000 Meter. Er lebt seit sechs Jahren in Kassel, macht noch bis 2011 eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und wartet auf einen deutschen Pass. Foto: Polk
Ein Bekannter seines Vaters verließ 2004 das Land, er nahm den Jungen mit. Über den Sudan kam Robel nach Frankfurt am Main. Während der drei Monate dort lernte er in Grundzügen die deutsche Sprache. Dann kam er nach Kassel, wo er in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, so die offizielle Bezeichnung, Aufnahme fand. Träger der Einrichtung ist die Hephata Diakonie.
„Der Anfang war schwer“, erinnert sich der junge Mann. Nach kurzer Zeit wurde er in die Carl-Schomburg-Schule aufgenommen. „Ich verstand kaum ein Wort von dem, was die anderen redeten“, sagt er. Er fand schnell Freunde, das half auch, Sprachbarrieren zu überwinden. Wie viele Jungen in seinem Alter begann er, Fußball zu spielen. Er konnte schneller rennen als seine Mitspieler: „Die anderen waren irgendwann fertig, aber ich bin nie so richtig müde geworden“, sagt er.
„Um für Deutschland zu starten, brauche ich einen deutschen Pass.“
Robel Mesgena
Während der Bundesjugendspiele 2006 kam das läuferische Talent des damals 14-Jährigen richtig zur Entfaltung. Sein Sportlehrer erkannte die Möglichkeiten: „Du trainierst, glaube ich, für die falsche Sportart.“
Er vermittelte ein Leichtathletik-Training. Robel nahm an Wettkämpfen teil. Und wurde 2008 Hessenmeister über 3000, 5000 und 10 000 Meter. Nach einigen Wechseln trainiert er jetzt für den Polizeisportverein Grün-Weiß in Kassel. Das Training ließ ihm noch genug Freiraum, seinen Schulabschluss zu machen. Nach der mittleren Reife begann Robel Mesgena 2008 eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Laufladen. Seine sportlichen Erfolge krönte er 2009: Über 3000 Meter auf der Bahn und 3200 Meter querfeldein (cross) wurde er bei den Jugendmeisterschaften deutscher Vizemeister.
Robel Mesgena hätte gern an der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der unter 18-Jährigen teilgenommen. Doch das blieb ihm verwehrt: „Um für Deutschland zu starten, brauche ich einen deutschen Pass“, sagt er.
Den hat der mittlerweile 18-Jährige vor Monaten beantragt und wartet auf einen Bescheid. Seine berufliche Zukunft sieht der sympathische junge Mann im sportlichen Bereich: „Ich möchte gern in den USA studieren, vielleicht Sportwissenschaften“, sagt er. Robel Mesgena strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus. Wenn er von seinen Zukunftsplänen redet, geht ein Lachen über sein Gesicht: „Vielleicht gelingt es mir, ein Stipendium zu bekommen“, sagt er.
Bis dahin hat er noch einiges zu tun. Er muss sich eine bezahlbare Wohnung suchen, weil er als 18-Jähriger nicht länger in der Wohngruppe bleiben kann. Wenn er seinen deutschen Pass bekommt, hat er als Erstes eine Reise vor: „Ich möchte nach Eritrea und schauen, was aus meiner Familie geworden ist.“ Denn von seiner Familie hat Robel seit sechs Jahren nichts gehört.
Von Ilona Polk
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