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Kassels Gedächtnis wird digital

Das Stadtarchiv scannt seinen Bestand – Bilder auch im Bombennacht-Spezial auf HNA.de

Kassels Gedächtnis wird digital - Bilder für das Bombennacht-Spezial

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170.000 Fotos lagern im Stadtarchiv - fast 2000 davon lassen in unserem Bombennachts-Spezial das alte Stadtbild Kassels vor der Zerstörung im Krieg aufleben. Nun sind die Bilder, die vor 1943 entstanden, digitalisiert - ein Blick hinter die Kulissen des Stadtarchivs.

© Foto: Cosse

Hüter von alten Schätzen: Stadtarchiv-Mitarbeiter Michael Hess (vorne) mit seinen Kollegen (hinten von links), die kommissarische Leiterin Ursula Kubilas, der pensionierte Leiter Frank-Roland Klaube, sowie Petra Krenz und Margit Mennicke. Die Bilder im Vordergrund zeigen den Königsplatz (links) und Fachwerkhäuser in der Altstadt, das Bild im Hintergrund das ausgebombte Ottoneum.

Kassel. Mit Handschuhen zieht Michael Hess ein mehr als 67 Jahre altes Foto aus einer Schutzhülle, legt das Bild auf den betriebsbereit brummenden Scanner - Sekunden später ist wieder eines der 170 000 Fotos im Stadtarchiv digitalisiert. Die erste große Etappe hat der Stadtarchiv-Mitarbeiter inzwischen geschafft, 3500 Fotos aus der Vorkriegszeit lagern nun auf dem Archiv-Server.

Ein Großteil dieser digitalen Kopien lässt in unserem Online-Spezial (www.hna.de/bombennacht) das alte Stadtbild Kassels wieder auferstehen, das bei den Luftangriffen vom 22. Oktober 1943 verschwand. Damals ist auch ein großer Teil der schriftlichen Verwaltungsgeschichte der Stadt untergegangen. Das Stadtarchiv im Rathaus brannte aus, nur ein kleiner Teil blieb erhalten. So wie die verkohlten, aber teilweise noch lesbaren Überreste des Kasseler Bürgerbuchs aus dem Jahr 1520.

Fotos: Bilder aus dem Bereich nördlich der Altstadt

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Mit den verbliebenen Beständen wurde das Archiv nach dem Krieg wieder aufgebaut. Seit 1967 ist es im Marstall untergebracht. Zwischen Markthalle und Lagerkellern für Lebensmittel warten auf 800 Quadratmetern Millionen Einzelstücke vom Zeitungsschnipsel bis zum gerahmten Bild darauf, dass jemand sie sucht.

Besonders gefragt unter den 1350 Regalmetern Archivalien sind bei Besuchern die Sammlungen zu Personen und Gebäuden. Allein in 4300 Archivmappen lagern Zeitungsausschnitte, Bilder und Dokumente zu Menschen, die für die Stadtgeschichte bedeutsam sind. „Viele sind begeistert, weil das sonst niemand in dieser Masse sammelt“, sagt Petra Krenz, eine der Ansprechpartnerinnen für Besucher.

Als historisches Gedächtnis einer Stadt werden Stadtarchive daher häufig bezeichnet. Ein Titel, den Frank-Roland Klaube nicht so gerne hört. Er war 25 Jahre Leiter des Archivs und sagt: „Kernaufgabe des Stadtarchivs ist es, das Schriftgut der Stadtverwaltung zu sammeln.“ Neben Protokollen und Plänen des Bauamts sind dies seit zwei Jahren auch Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden vom Standesamt. Darunter 1,5 Millionen bis zu 142 Jahre alte Meldeunterlagen - eine ergiebige Quelle für Menschen, die biografische Daten ihrer Familie suchen.

Fotos: Kassel vor der Zerstörung: Bilder aus der Innenstadt

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Klaube ist eigentlich seit August 2008 pensioniert, springt aber zweimal pro Woche im Stadtarchiv ein. Seine Nachfolgerin, Dr. Siegrid Schieber, hatte Kassel nach elf Monaten aus persönlichen Gründen wieder verlassen. Mit Dr. Alexandra Lutz bekommt das Archiv nun nach neun Monaten ohne Leitung eine neue Chefin. Während dieser Zeit betreute Ursula Kubilas als kommissarische Leiterin das Archiv.

Auf Lutz kommen wohl besonders zwei Aufgaben zu: die Vernetzung mit Online-Recherchequellen und die Digitalisierung der Bestände. Dadurch ist die Suche per Computer möglich, derzeit sind die Standorte der Archivstücke auf Tausenden Karteikarten gesammelt. Zudem wird der Platz auf Dauer zu klein. Schließlich kommt täglich neue Geschichte dazu.

Von Hannah Cosse

Hintergrund: Das sammelt das Stadtarchiv

Das Stadtarchiv sammelt, ordnet und bewahrt Schriftgut, Bilder und andere Dokumente zur Stadtgeschichte und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Darunter sind: Akten der Stadtverwaltung und nichtstädtischer Institutionen (wie dem Kasseler Kunstverein), Sammlungen zu Personen, Gebäuden und Themen, Baupläne, Landkarten und 170 000 Fotos, inklusive des Archivs des Fotografens Carl Eberth. Besuchen kann das Stadtarchiv jeder. Stöbern ist jedoch nicht möglich. Die Mitarbeiter suchen auf konkrete Anfrage die Archivstücke heraus, die im Leseraum betrachtet werden können. Anfragen werden auch schriftlich und telefonisch beantwortet.

Öffnungszeiten und Kontakt

Dienstag bis Donnerstag, 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Wildemannsgasse 1, 0561 / 787-4050, stadtarchiv@stadt-kassel.de

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