Kassel. „Kommen Sie schnell“, ruft eine auf dem Fahrrad heraneilende Zuschauerin des Kassel Marathons Dennis Schulze (30) und Sebastian Niemczyk (20) zu. „Da hinten ist einer zusammengebrochen.“
Sofort holen die beiden am Auedamm postierten DRK-Sanitäter ihre Notfallkoffer und Sanitätsrucksäcke und laufen los.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Obwohl am Sonntag pralle Sonne und hohe Temperaturen vielen Startern des Eon Mitte Kassel Marathons das Laufen erschwerten, blieben Rettungseinsätze die Ausnahme. In etwa 100 Fällen seien erschöpfte oder verletzte Läufer behandelt worden, zwölf kamen vorsorglich ins Krankenhaus, sagte der offizielle Marathon-Arzt, Dr. Peter Kentsch gestern nach dem Lauf. „Wir hatten angesichts der Hitze und der hohen Teilnehmerzahl mit viel mehr Einsätzen gerechnet“, sagt er und zieht ein positives Fazit.
Als Dennis Schulze und Sebastian Niemczyk bei dem etwa 40-jährigen Läufer ankommen, sitzt er zwar kreidebleich und ausgepumpt bei Kilometer 39 am Straßenrand, ist aber ansprechbar. Während Schulze über Funk einen Rettungswagen ruft, beginnt Niemczyk bei dem erschöpften Hobbyläufer mit der Erstversorgung. Wenige Augenblicke später kommt der Rettungswagen und bringt den Mann in ein Kasseler Krankenhaus.
Etwa 200 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes waren beim Marathon an der Strecke, 19 Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge sowie sechs Notarztwagen waren im Einsatz. „Im letzten Jahr hatten wir an unserem Abschnitt gar nichts zu tun, mussten noch nicht mal ein Pflaster kleben“, erinnert sich Schulze, der mit Niemczyk und drei weiteren Sanitätern des DRK-Kreisverbandes Kassel-Wolfhagen für den Streckenabschnitt zwischen Hessenkampfbahn und Auebad verantwortlich ist. In diesem Jahr waren sie jedoch oft gefragt. „Das Problem war diesmal echt die Hitze“, sagt Niemczyk. Ob Schürfwunden, Kreislaufprobleme, Blasen an den Füßen oder einfach nur Durst - „alle Fälle sind aber zum Glück vergleichsweise harmlos gewesen“, sagt er. Das Quintett ist seit sechs Uhr auf den Beinen und hatte bereits um acht Uhr sein Zelt mit drei Feldbetten samt Ausrüstung im Schatten der Orangerie aufgebaut.
Fast drei Stunden nachdem die ersten Läufer aus Kenia an ihnen vorbeigesprintet sind, müssen die Sanitäter Niemczyk und Schulze noch einmal ran. Eine junge Staffelläuferin hält torkelnd an ihrem Zelt und kann nicht mehr. Die Sanitäter untersuchen sie auf dem Feldbett, reichen ihr Wasser und Traubenzucker. Wenige Minuten später geht sie unter dem Beifall der etwa 50 umstehenden Zuschauer wieder auf die Strecke. Denn so kurz vor dem Ziel möchte keiner mehr aufgeben. (bf)

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
In der Montagsausgabe der HNA finden Sie sechs Seiten zum Marathon.
Rubriklistenbild: © Schachtschneider


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