Kassel. Der vierte Kasseler Marathon ist Vergangenheit. Die Sieger heißen Joel Chepkopol und wie bereits im Vorjahr Ecler Lojwapet aus Kenia. Sie benötigten für die 42,195 Kilometer lange Strecke 2:12:54 und 2:38:52 Stunden. Wir waren für Sie beim Rennen dabei.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Kurz vor 8 Uhr raucht Peter Wegner Zigarre. Nein, er wird nicht beim Marathon starten. Zusammen mit Walter Choulik vom Motorradclub Lakeside Chapel wird der 63-Jährige den Läufertross genauso begleiten wie die 16 Fahrradfahrer um Helmut Mauer.
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Ihre Aufgabe ist es, die Strecke freizuhalten. Unter ihnen ist auch der Kasseler Djillali Abdessalam. Der 37-Jährige war selbst Profi mit einer Bestzeit von 2:16 Stunden. Jetzt wird er gleich auf dem Fahrrad den Führungsläufer begleiten. Gerade ist der Kasseler Dokumentarfilmer Klaus Stern auf die Halbmarathonstrecke gegangen. Das T-Shirt, das Stern trägt, ist ausgewaschen und stammt aus dem Jahr 1972. Viel trainieren konnte er in der letzten Zeit nicht. Er dreht gerade einen neuen Film – über Mehmet Göker.
Inzwischen ist es 8.40 Uhr. Die kenianischen Top-Starter rund um die beiden Titelverteidiger Ecler Lojwapet und Josef Biwott machen sich bereit für den Start und verstauen ihre Wollmützen. Athleten-Betreuer Martin Strege bespricht die letzten Details. Die Marschrichtung ist klar: Der erste Tempomacher soll die Halbmarathon-Distanz in 1:05:30 angehen, damit die Elite nach 2:11 Stunden ins Ziel läuft. Im Idealfall.
Die beiden Athleten-Manager Volker Wagner und Bisrat Kiefle besteigen die Begleitfahrzeuge, genauso der Organisationschef Winfried Aufenanger.
Es ist kurz vor 9 Uhr. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen hebt die Startpistole. Der Schuss fällt, und 866 Marathonis setzen sich in Bewegung.
Schon nach zwei Kilometern hat sich in Waldau eine Spitzengruppe von 15 Läufern abgesetzt. Unter ihnen sind auch die beiden eritreischen Läufer Mohmednor Hamamed und Samuel Goitom Hagdu. „Die beiden sind gerade vor drei Tagen angekommen“, sagt Bisrat Kiefle. Die gebürtige Eritreerin lebt in Frankfurt, ist aber in Kassel aufgewachsen.
„Die Holländische Straße war mein Zuhause“, sagt die junge Frau, die seit sechs Jahren als Laufmanagerin arbeitet. Etwas länger, nämlich seit 20 Jahren, macht den Job Volker Wagner. Der 60-Jährige stammt aus Detmold und gehört mit seinen Läufern bereits seit den Anfängen zum Eon Mitte Kassel Marathon.
„Natürlich hoffe ich, dass meine Läufer gewinnen, aber mir geht es auch darum, mitzuhelfen, den Kasseler Lauf zu etablieren.“ Nach Kassel hat Wagner drei Läufer und die Titelverteidigerin Ecler Lojwapet mitgebracht. Für ihn geht es um etwas, und deshalb regen ihn schon Details auf: „Die nummerierten Getränke für die Läufer stehen zu dicht beieinander“, sagt er, als es bei der Versorgungsstelle von Kilometer fünf die ersten Verwechslungen gibt. „Jesus liebt dich“ lesen die Läufer, die Deutsch verstehen auf einem Spruchband der freien evangelischen Gemeinde an der Salzmann-Fabrik in Bettenhausen.
Das Kilometerschild zeigt die Zahl zwölf, und die Spitzengruppe umfasst jetzt nur noch acht Läufer. Winfried Aufenanger springt immer wieder aus seinem Begleitfahrzeug, um die Läufer anzufeuern. Währenddessen schmilzt das Feld in der Spitze weiter zusammen. Als in der Nordstadt die Tempomacher aus dem Rennen gehen, macht sich noch James Biwott, der Sieger des vergangenen Jahres Hoffnung auf die Titelverteidigung.
Und der Eritreer Samuel Goitom Hagdu „sieht gut aus“, wie seine Managerin findet und sich damit auf den Laufstil bezieht. Das bleibt auch nach der Steigung an der Zentgrafenstraße und auf der Friedrich-Ebert-Straße so. Lediglich Titelverteidiger Biwott und der Sieger des Jahres 2008, Pharis Kimani, verlieren den Anschluss – nur fünf Läufer sind vorn dabei. Das Tempo wird schneller. Es geht leicht bergab, der Auedamm rückt näher und der Lärm der Zuschauer – an der gesamten Strecke sind rund 50 000 Menschen unterwegs – wird lauter.
Volker Wagner und Bisrat Kiefle springen aus dem Begleitfahrzeug. Die Helferinnen mit den Blumensträußen für die Sieger machen sich bereit, die Menschen rund um die HNA-Bühne schreien und klatschen, als der Kenianer Joel Chepkopol als Erster nach 2:12:54 Stunden über die Ziellinie läuft. Winfried Aufenanger nimmt den 26-Jährigen in den Arm. „Es war windig, es war hart, ich bin glücklich“, ist das erste was Chepkopol über die neue Kasseler Bestzeit sagt.
Zu Hause warten drei Brüder und eine Schwester auf ihn. Hinter ihm ist der Eritreer Samuel Goitim Hagdu in 2:13:05 Stunden über die Ziellinie gelaufen. Dritter wird wieder ein Kenianer, Richard Ngolepus in 2:13:24 Stunden. Bei den Frauen gewinnt ein Trio aus Kenia: Ecler Lojwapet verteidigt ihren ersten Platz aus dem Vorjahr, wo sie in 2:37:35 Stunden siegte mit der Zeit von 2:38:52 Stunden.
Hinter ihr folgen Masila Ndunge (2:41:11) und Prisca Kiprono (2:41:28). „Für mich war die Strecke trotz der schlechteren Zeit in diesem Jahr besser“, sagt Lojwapet. Inzwischen haben alle ihre Blumensträuße in den Händen. Siegerfotos sind angesagt. Es wird gelacht, und der Kenianer Joel Chepkopol nimmt sich bereits etwas vor: „Für mich war es eine Bestzeit, und ich will auf alle Fälle wiederkommen, um noch einmal zu gewinnen“.
Von Martin Scholz
Der zeitweise recht kräftige Wind setzte vielen Läufern zu. Auch die Sieger des Halbmarathons kamen später ins Ziel als erwartet. Einen recht ungefährdeten Sieg legte bei den Männern im Halbmarathon Michael Wagner vom PSV Grün Weiß Kassel in 1:14:25 hin. Zweiter wurde Felix Kaiser vom TSV Obervorschütz in 1:15:28, gefolgt von seinem Vereinskollegen Paul Skalski in 1:15:37.
Bei den Frauen siegte Katrin Kreil aus Hannover (1:22:54), vor Silvia Niemle vom SC Neunstein (1:28:27) und Kathrin Scheuer (1:28:43, TSV Urfftal 08).
Die Inliner waren am Morgen bei kühlen zwölf Grad gestartet. Bei den Herren siegte Patrick Närger (Bielefeld) in 40:38:4 Minuten, bei den Frauen holte die Kamerunerin Achu Arimboh den Sieg (49:48:08. Den zweiten Platz erreichte Carolin Hildebrand (50:19:3), gebürtig aus Kassel. Sie war auf der Strecke gestürzt.
Beim Mini-Marathon am Samstag hat Laura Hottenrott-Freitag (Jacob-Grimm-Schule) ihre Siegesserie fortgesetzt: Zum vierten Mal in Folge gewann sie den Mini-Marathon in Kassel über 4,129 Kilometer in 15:38 Minuten vor Vanessa Wirtz (16:22) und Eva Dieterich (16:29). Bei den Jungs siegte Top-Favorit Hendrik Franke (PSV Grün-Weiß Kassel) mit 13:38 vor seinen Vereinskameraden Marcel Saur (13:54), Jonathan Keuchel (14:52) und Peter Zimmermann (14:56).
Später mehr Informationen und Bilder von der Party rund um den Marathon.
Mehr Infos, Bilder und Videos rund um den Kassel Marathon gibt es in unserem Online-Spezial
Nachdem die Läufer im Ziel eingetroffen sind, gibt es die Ergebnisse im Netz Hier geht es zu den Ergebnissen



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