Kassel. Sebastian und Leo sind gut drauf. Von Nervosität ist gut eine Stunde vor Beginn des Mini-Marathons kaum etwas zu merken. Warum auch, schließlich wissen die Viertklässler von der Grundschule Kirchditmold, was sie erwartet. Beide sind zum zweiten Mal dabei.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Ihre Erfahrung zahlt sich aus. „Es macht jetzt mehr Spaß, weil ich alles schon kenne. Ich möchte auf jeden Fall schneller laufen als im vergangenen Jahr“, sagt Leo. Und Sebastian weiß, ab wann es kniffelig wird: „Am Ende wird’s richtig schwer.“ In ihren knalligen orangefarbenen T-Shirts sind sie in der bunten Menschenmasse leicht auszumachen. Und falls sie sich doch einmal aus den Augen verlieren sollten, haben ihre Eltern vorgebeugt: Die Jungs tragen die Handynummern ihrer Eltern und Lehrerin auf dem Unterarm.
Dann wird es langsam ernst. Bei vielen steigt die Anspannung. So wie bei Violeta und Mascha aus der Sportklasse des Goethe-Gymnasiums. Die Sechstklässler haben sich mit Lehrerin Julia Dietrich gezielt vorbereitet. Vier Stunden Sportunterricht haben sie in der Woche, gemeinsam haben sie im Fichtelgebirge sogar ein Trainingslager im Skilanglauf absolviert. Ein großes Banner „Auf geht’s Goethe, auf geht’s“ begleitet die Schüler dann zum Start.
Sie tauchen ab in der Menge. Verschwimmen mit den 3200 Teilnehmern, Lehrern, Eltern und Begleitern zu einem großen, bunten Strom, der behäbig und geduldig in Richtung Startlinie fließt. Hektische Bewegungen gibt’s nur an der Spitze. Dort wärmen sich die Besten auf – die, die gewinnen wollen. So wie Ronja Böhrer (SSC Bad Sooden Allendorf). „Ich bin immer ein wenig aufgeregt“, verrät sie und blickt gen Himmel.
Dort ziehen gerade dunkle Wolken auf. Auch der Wettergott scheint beim Mini-Marathon mitmachen zu wollen. Denn pünktlich zum Start um 17.45 Uhr geht ein Platzregen über der Buga nieder. Sehr zur Freude der Läufer, wie sich später herausstellt. Binnen Sekunden verscheucht eine angenehme Kühle die drückende Wärme. Langsam setzt sich der Strom der Starter in Bewegung. Gut vier Minuten dauert es, bis alle Teilnehmer die Startlinie überquert haben.
Da sind die Ersten schon längst bei Kilometer eins. Nach 13:39 Minuten kommt der Schnellste ins Ziel. Verschwitzt und mit Dreck bespritzt, stürmt Tobias Kisling ins Ziel. Er hat den Favoriten Hendrik Franke auf den letzten Metern abgehängt. Ungläubig nimmt Kisling die Medaille entgegen, die die fleißigen Helfer im Ziel allen Läufern umhängen.
„Der Regen war spitze, die Stimmung an der Strecke super. Sie beflügelt einen richtig“, erzählt der 17-jährige Albert-Schweitzer-Schüler. Kurz darauf kommt auch Ronja Böhrer ins Ziel – als erstes Mädchen. Ihre Zeit: 15:50 Minuten. Sie freut sich allerdings nicht auf die Dusche, sondern auf zwei große Eis. Die hatten ihr Papa und Bruder versprochen – für den Fall, dass sie gewinnt.
Nach und nach erreichen alle aus dem großen Strom das Ziel. Erschöpft, nach Luft japsend, aber vor allem eins: glücklich. Auch Sebastian und Leo überqueren nach gut 22 Minuten irgendwann gemeinsam die Ziellinie. Im breiten Mittelfeld. Sie sind zufrieden. Dabei sein ist schließlich alles.



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