Kassel. Den Behindertensport in Nordhessen voranbringen, das ist das Ziel des Para-Triathleten Markus Häusling. „Sport für Behinderte gibt es hier ja kaum“, sagt er. Deshalb hat er auch ein Demonstrationsrennen von Handbikes, Liegefahrrädern, auf der Halbmarathon-Strecke während des Kassel Marathons angeregt.
Häusling war im März beim Vorbereitungslauf auf der Original-Strecke dabei, um diese auf Handbike-Tauglichkeit zu überprüfen. Denn es gab seitens der Veranstalter Befürchtungen, dass die Straßen mit den vielen Straßenbahnschienen nicht geeignet für die Handbikes seien.
„Aber alles kein Problem, die Strecke ist bestens zu fahren“, sagt Häusling. Nun können die Handbiker am Sonntag, 22. Mai, ab 7:45 Uhr zum ersten Mal in Kassel an den Start gehen und ihren Sport vorstellen. „Ein paar haben sich schon angemeldet, das wird bestimmt ein gutes Rennen.“ Häusling will den Zuschauern zeigen, wie Sport den Lebensmut zurückbringen kann. Dass er einmal Profisportler wird, hätte er aber nie gedacht. Zwar sei er schon immer sportlich gewesen, spielte Fußball beim SG Diemeltal und trainierte die Fußball-Bambinis seines jüngsten Sohnes in Wettesingen. Doch damit war es 2004 vorbei. Damals brach bei dem heute 40-Jährigen eine Nervenerkrankung in den Beinen aus. Seit dem 21. November 2005 sitzt er im Rollstuhl, den Tag vergisst er nicht.
Die Diagnose war ein herber Schlag: „Ich dachte alles ist vorbei: meine Frau ist weg, ich verliere meinen Job. Wer braucht schon einen Vollzugsbeamten im Rollstuhl.“ Doch seine Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Seine Frau Nancy hielt zu ihm, und auch seinen Job in der Justizvollzugsanstalt I in Wehlheiden stand nie zur Debatte. Damit ist er Hessens einziger JVA-Beamter im Rollstuhl.
„Ich will 2016 zu den Paralympics nach Rio de Jeneiro.“
Markus Häusling
Doch für seine Söhne, heute zehn und 14 Jahre alt, war es schwer zu akzeptieren, dass Papa nicht mehr laufen kann. Deshalb schaffte sich Häusling 2006 ein Adaptivbike an, womit sein Rollstuhl zum Fahrrad umfunktioniert wird. „So konnte ich mit meinen Jungs wieder Radfahren und ihnen zeigen, dass der Papa noch da ist.“
Und er fand Gefallen an dem neuen Sport: „Damit kann man gut Aggressionen abbauen.“ Er trainierte immer intensiver, steckte sich neue Ziele. 2007 gewann er mit dem Adaptivbike sein erstes Straßenrennen über 5000 Kilometer. Seitdem hat er bereits über 20-mal die 42,195 Kilometer beim Marathon zurückgelegt.
Und er wurde schnell besser: Brauchte er beim ersten Marathon noch zwei Stunden und neun Minuten, ist er mittlerweile um fast eine Stunde schneller. Seit November trainiert nun schon für die Saison 2011, denn sein nächstes Ziel steht: „Ich will 2016 zu den Paralympics nach Rio de Janeiro.“ Hintergrund
www.kassel-marathon.de
Von Diana Rissmann



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