Störungen in der Hirnanhangdrüse können vielfache schwere Erkrankungen hervorrufen

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    • 16.07.12
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Wenn die Hypophyse versagt

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Die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ist eine der wichtigsten Drüsen im Körper. Sie liegt im Schädelinneren, ihre Hormone steuern zahlreiche Vorgänge im Körper, beispielsweise die Schilddrüse, die Nebennierenfunktion, die Sexualorgane, das Körperwachstum und den Flüssigkeitshaushalt.

Ständiger Durst ist ein Symptom des Diabetes insipidus, einer Störung im Wasserhaushalt des Körpers, die durch einer Erkrankung der Hirnanhangdrüse hervorgerufen wird.

© Archivbild: dpa

Ständiger Durst ist ein Symptom des Diabetes insipidus, einer Störung im Wasserhaushalt des Körpers, die durch einer Erkrankung der Hirnanhangdrüse hervorgerufen wird.

Krankhafte Veränderungen an der Hypophyse können daher zu einer Über- oder Unterproduktion von Hormonen führen. So werden bei einer Akromegalie große Mengen an Wachstumshormonen freisetzt. Das Cushing-Syndrom entsteht durch eine übermäßige Produktion des Hormons Cortisols und macht sich unter anderem durch Gewichtszunahme, Muskelabbau und Leistungsschwäche bemerkbar. Eine Überproduktion des Hormons Prolaktin kann zu einer Störung der Fruchtbarkeit führen. Bei Verdacht auf eine Hypophysenerkrankung ist der Endokrinologen, ein auf hormonbedingte Erkrankungen spezialisierter Arzt, Ansprechpartner.

Fragen zur Erkrankung der Hypophyse beantwortete in der HNA-Telefonsprechstunde der Direktor der Medizinischen Klinik 1 im Klinikum Kassel, der Endokrinologe Prof. Dr. Frank Schuppert.

Ich bin vor über 20 Jahren an der Hirnanhangdrüse wegen einer Akromegalie operiert worden. Ich habe nach wie vor starke Verformungen an den Händen und Füßen und darin schmerzhafte Arthrose. Ich schwitze auch extrem viel. Mein Hausarzt hat bereits den Gehalt des Wachstumshormons im Blut gemessen. Der ist unauffällig. Kommen meine Beschwerden denn noch von der damaligen Erkrankung?

Schuppert: Ja, das ist durchaus möglich. Durch die Entfernung des Tumors verschwinden die Schwellungen an den Händen, Füßen oder der Nase. Veränderungen an den Knochen, die das übermäßig produzierte Wachstumshormon verursacht hat, bilden sich leider nicht mehr zurück. Und natürlich kann man dann dazu noch, wie in Ihrem Fall, Arthrose bekommen. Das übermäßige Schwitzen kann tatsächlich bedeuten, dass Sie immer noch zuviel Wachstumshormon produzieren. Bei der Operation bleibt nicht selten noch ein wenig Tumorgewebe zurück, das dann doch wieder zuviel Hormon produziert. Dabei kann der Wachstumshormonwert im Blut vollkommen normal sein. Bitten Sie Ihren Hausarzt, den IGF1-Wert im Blut zu bestimmen, der eine Überproduktion an Wachstumshormonen anzeigt. Sollte der Wert zu hoch sein, müssten Sie an einen Endokrinologen zur weiteren Behandlung überwiesen werden.

Bei meiner Tochter ist ein Diabetes insipidus festgestellt worden. Sie nimmt Tabletten dagegen, aber irgendwie scheint die Dosierung nicht richtig zu sein. Sie leidet unter Konzentrationsmangel, Erschöpfungszuständen und erhöhtem Blutdruck. Was kann ihr helfen?

Schuppert: Der Diabetes insipidus ist eine Störung im Wasserhaushalt des Körpers. Das Wasser wird vermehrt über den Urin ausgeschieden, so dass Erkrankte ständig großen Durst haben. Die Krankheit hängt mit einem zu geringen Anteil des Hormons ADH zusammen, das über die Hypophyse ausgeschüttet wird. Dieses Hormon kann in Tablettenform gegeben werden. Der Leistungsabfall und die Blutdruckprobleme bei Ihrer Tochter können durch eine zu hohe Dosierung des Medikaments kommen. Jeder Erkrankte muss für sich selbst herausfinden, wie viele Tabletten er täglich einnehmen muss, um sich wohl zu fühlen. Das kann sich auch von Jahreszeit zu Jahreszeit ändern. Ihre Tochter soll einfach mal die tägliche Tablettenmenge reduzieren, um zu sehen, ob ihr das hilft.

Durch einen Zufallsbefund wurde im vergangenen Herbst festgestellt, dass ich ein größeres Adenom an der Hirnanhangdrüse habe und dadurch zuviel Prolaktin produziere. Ich habe Medikamente dagegen bekommen, die den Wert verbessert haben. Ich habe dadurch aber einen sehr niedrigen Blutdruck und mir ist auch ständig übel. In der Kernspintomografie ist der Tumor auch nur ein bisschen kleiner geworden. Was raten Sie?

Schuppert: Ich würde Ihnen zur Operation raten, um das Problem gezielt anzupacken. Der Schädel muss nicht geöffnet werden. Man kann kleinere Hypophysentumore durch die Nase entfernen.

Ich bin im vergangenen Jahr in Erlangen an einem zwei Zentimeter großen Hypophysentumor operiert worden. Die Diagnose lautet Morbus Cushing. Ich nehme seitdem täglich Hydrocortison zu mir. Ich habe Muskelkrämpfen und auch meine Periode nicht wieder bekommen. Ich habe bereits eine Zeit lang die Pille genommen und habe sie dann vor vier Monaten wieder abgesetzt in der Hoffnung, dass die Hormonproduktion wieder einsetzt. Das ist aber nicht geschehen. Ich möchte gern schwanger werden. Ist das möglich?

Schuppert: Ihr Tumor war verhältnismäßig groß und hat offensichtlich Schäden hinterlassen, so dass nicht mehr alle Funktionen der Hypophyse wiedergekommen sind. Bei einem Kinderwunsch sollten Sie sich an einen Mediziner wenden, der sich mit Reproduktionsmedizin auskennt. Man kann gezielt die Hormone spritzen, die die Hirnanhangdrüse normalerweise produziert, um einen Eisprung auszulösen. Dann können Sie auch schwanger werden.

Ein Bekannter hat sich Wachstumshormone als Anti-Aging-Substanz spritzen lassen. Ist das sinnvoll?

Schuppert: Nein, auf keinen Fall! Man kann damit zwar augenscheinlich die Alterseffekte wie Muskelabbau und Fettzunahme zum Teil rückgängig machen. Man hat aber gleichzeitig die unerwünschten Effekte einer Akromegalie wie wachsende Hände und Füße mit Gelenkschmerzen und Auftreten des Karpaltunnelsyndroms.

Von Susanne Seidenfaden

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