Kassel. Wenn der Sohn geschäftlich nach Hamburg reist, die Schwester in Köln wohnt und die Enkeltöchter auf Klassenfahrt sind - dann wissen beispielsweise die Großeltern oft nicht mehr, wie und wann sie ihre Familienangehörigen am besten erreichen können.
Aufgrund berufsbedingter Mobilität sowie des demografischen Wandels leben nur noch selten Familien geschlossen in einer Stadt. Deshalb entwickeln Forscher der Fachgebiete Mensch-Maschine-Systemtechnik (MMS) und Kommunikationstechnik der Uni Kassel einen interaktiven Bilderrahmen, der die Kommunikation von Senioren mit ihren Angehörigen erleichtern soll.
„Eine Oma möchte auch am Leben ihrer Enkel teilhaben - sie traut sich aber oft nicht anzurufen“, sagt MMS-Leiter Prof. Dr.-Ing. Ludger Schmidt. In einer Anforderungsanalyse bei älteren Menschen haben er und seine Mitarbeiter im Vorfeld herausgefunden, dass sie manchmal Vorbehalte haben, ihre Verwandten anzurufen. „Sie haben oft den Eindruck, sie könnten gerade stören, weil sie nicht wissen, in welcher Situation die Verwandten gerade sind“, sagt der 41-jährige Professor. Dank eines herkömmlichen Bilderrahmens, in dem sich modernste Technik verbirgt, könnten diese Sorgen bald unbegründet sein.
Der Prototyp an der Uni funktioniert so: Über einen Internetserver ist der Bilderrahmen mit den Handys der Familienmitglieder verbunden. Die momentane Situation der Verwandten wird über die bereits eingebauten Bewegungssensoren, GPS-Signale, das eingestellte Klingeltonprofil und elektronische Kalendereinträge der Smartphones abgeschätzt und dem Nutzer auf seinem Bildschirm angezeigt. Zusätzlich kann der Verwandte eine Statusnachricht hinterlassen.
Über den Sensorbildschirm des Bilderrahmens kann der Nutzer einfach mit dem Finger die Informationen seiner Angehörigen anwählen und das Gerät steuern - wie ein modernes Handy. „Aber nur etwa 30% der über 60-Jährigen nutzen regelmäßig einen Computer, sodass viele Senioren weder mit Maus und Tastatur geübt sind, noch mit einem Smartphone umgehen“, sagt Schmidt.
So vereint der Bilderrahmen in gebrauchstauglicher Form das, was intelligente Mobiltelefone und soziale Netzwerke im Internet können. „Bewährte Kommunikationsmittel brauchen wir nicht neu zu erfinden“, sagt Schmidt, deshalb könnten Nutzer unter anderem per Videoübertragung miteinander telefonieren und Textnachrichten schreiben - ohne zusätzliche Tastatur, ohne Maus.
Von Sebastian Schaffner



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