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„Verlässliche Zeiten sind vorbei“

Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep im Interview über die Entwicklung der Kasseler Hochschule

„Verlässliche Zeiten sind vorbei“

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Kassel. Der langjährige Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep ist mit großer Mehrheit für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. 26 von 32 Wahlberechtigten im erweiterten Senat stimmten für eine dritte Amtsperiode des 65-Jährigen. Wir sprachen mit dem Präsidenten über die Herausforderungen an der Hochschule in den nächsten Jahren.

Sie gehen in einem Alter in eine neue Amtszeit, in dem andere sich in den Ruhestand verabschieden. Wird es 2018 einen 72 Jahre alten Uni-Präsidenten geben?

Prof. Rolf-Dieter Postlep: (lacht) Ich wurde aus breiten Kreisen der Hochschule heraus gebeten weiterzumachen, weil keine leichten Zeiten auf uns zukommen. Es war nicht unbedingt meine Idee, noch mal zu kandidieren. Aber es ist sinnvoll. Ein Wechsel an der Spitze der Universität wäre zu diesem Zeitpunkt zumindest eine große Herausforderung gewesen. Ich werde aber vermutlich nicht die volle Amtsperiode ausschöpfen. Ich habe versprochen, rechtzeitig Bescheid zu sagen, wann ich aufhören will.

Welche Herausforderungen kommen auf die Uni zu?

Postlep: Da sind vor allem die geplanten Bauprojekte für den Campus Nord. Die Verhandlungen wegen der Neubauten für die Naturwissenschaften laufen noch. Da könnte meine langjährige Erfahrung hilfreich sein.

Die Neubauten sind nötig, um mehr Platz für die vielen Studenten zu schaffen.

Postlep: Richtig. Allerdings handelt es sich um eine qualitative Veränderung, nicht um eine quantitative Erweiterung. Wir sind nach dem Umbau auf etwa 18 000 Studierende ausgelegt. Aber die Anfängerzahlen werden auch nach den doppelten Abiturjahrgängen bis 2020 nicht zurückgehen, weil immer mehr junge Leute studieren wollen. Wir müssen uns darauf einrichten, dass sich die Studierendenzahl in Kassel bei 22 000 bis 24 000 stabilisieren wird. Wir werden also weiterhin Zusatzbedarf für mehrere Tausend Studienplätze haben. Unsere Verantwortung ist, dass angesichts des Studentenbergs die Qualität des Studiums nicht leidet.

Wie sieht es mit der finanziellen Ausstattung aus?

Postlep: Diese zu sichern, wird eine weitere große Herausforderung sein. Die feste Grundfinanzierung nimmt an Bedeutung immer mehr ab. Stattdessen sind es zunehmend einzuwerbende, projektbezogene und temporäre Mittel, mit denen wir aber unsere Aufgaben finanzieren. Unser Gesamtbudget aus Landesmitteln liegt derzeit bei 151 Mio. Euro, die eingeworbenen Drittmittel für Projekte bei 46 Mio. Daran sehen Sie, was da für ein Druck drin ist. Die Zeiten verlässlicher Finanzierung sind vorbei.

Wo steht die Uni in diesem Wettbewerb in sechs Jahren?

Postlep: Nicht alle Hochschulen können mit der neuen Situation gut umgehen, da geht es auch um Management. Ich denke, dass wir in Kassel beim Einwerben von Forschungsgeld weiter gut vorankommen werden. Unsere Schwerpunkte liegen auf Themen, die auf gesellschaftliche Herausforderungen der Zukunft eingehen: regenerative Energieversorgung, energiebewusstes Bauen, Bildungsforschung, Informationstechnik, Sozialrecht und Sozialwirtschaft, ökologische Agrarwissenschaften und Werkstofftechnik, um nur einige zu nennen. Das Prinzip an der Uni Kassel heißt: Von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Das heißt, ein Professor muss sich die Frage stellen lassen: Was kann man mit deiner Forschung anfangen? Das ist nicht ganz selbstverständlich für Universitäten.

Gibt es auch Konkurrenz um die besten Köpfe? Kürzlich hat ein Marburger Professor um ein höheres Gehalt geklagt.

Postlep: Der Gesetzgeber hat vor einigen Jahren das Grundgehalt für neu berufene Professoren gekürzt. Hinzu kommen aber immer noch Zulagen, die verhandelt werden. Wir berufen fast nie Professoren zu Grundgehältern. Ich empfinde uns bei Berufungen als konkurrenzfähig – auch wenn man im Einzelfall natürlich mal das Nachsehen hat.

Sie fordern seit Längerem eine Öffnung der Hochschule auch für Nicht-Abiturienten.

Postlep: Unsere Ressource in Deutschland ist das Humankapital, deshalb gilt es, alle Potenziale zu heben. Der Anspruch muss sein, dass alle, die die intellektuellen Voraussetzungen haben, die Chance bekommen zu studieren, auch wenn sie kein Abitur oder Fachabitur haben und ihnen möglicherweise ergänzende Kurse in Mathematik und Fremdsprachen angeboten werden müssen. In Kassel sind wir da schon recht gut aufgestellt.

Wenn Sie in einigen Jahren den Hut nehmen, hinterlassen Sie große Fußstapfen. Ist es nicht Zeit, einen Nachfolger aufzubauen?

Postlep: Ich finde schon, dass die Hochschule sich Gedanken machen muss, wie es weitergeht, und sich systematisch auf einen Wechsel vorbereiten sollte. Das muss ein durchdachter Suchprozess sein, was aber nicht meine Aufgabe ist. Hier sind vor allem Senat und Hochschulrat gefragt.

Von Katja Rudolph und Jan Schlüter

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