Wer denkt, ein schöner Garten könne nur auf einer großen Fläche entstehen, dem beweisen Claus Alscher und Ursula Wiehle mit ihrem Terrassengarten auf kleinstem Raum eindrucksvoll das Gegenteil.
Etwas versteckt liegt der Eingang zu der Doppelhaushälfte im Kasseler Stadtteil Harleshausen, in dem das Ehepaar bereits seit 25 Jahren wohnt. Auch die angrenzende, kleine Grünfläche hinter dem Haus wird seit dem Einzug genutzt – doch ein zweiter Wohnraum im Freien war der Garten lange Zeit nicht. „Irgendwann sind wir rausgekommen, haben uns umgeschaut und festgestellt: Nein, so wollen wir das nicht mehr. Wir wollen einen schönen Garten, in dem wir gerne draußen sind und in dem wir uns erholen können“, sagt Claus Alscher.
Also wurden Magazine gewälzt, Kataloge zu Rate gezogen und im Internet gesurft – stetig auf der Suche nach neuen Ideen. Dass die beiden keinen Garten von der Stange wollten, sieht man schon an der Einrichtung des Hauses mit einem gemütlichen offenen Wohnraum, einer Galerie und geschmackvollen Möbeln. Hier hängen Designerlampen über dem großen Glasesstisch und die Wohnaccessoires sind perfekt auf den Raum abgestimmt.
Mit der gleichen Hingabe, Detailverliebtheit und unter der Maxime „Individualität ist alles“ ging es auch an die Umgestaltung des Gartens. Mit genauen Vorstellungen trat das Ehepaar an regionale Fachmänner heran – zunächst überrascht von der Präzision der Ideen, ließen sich die Experten nach und nach auf die Umsetzung ein. „Wir sind ein Jahr lang rumgefahren und haben nach den richtigen Klinkern gesucht – wir finden, es hat sich gelohnt“, sagt Ursula Wiehle mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
Die grauen, sehr edel wirkenden Klinker bilden die minimalistische Basis für den auf Geradlinigkeit ausgerichteten Garten. „Wir sind viel unterwegs, deshalb haben wir unseren Bauerngarten in eine Art Terrassengarten umgewandelt, einfach, um ein bisschen weniger Arbeit damit zu haben“ erklärt Ursula Wiehle die Intention zu dieser Gartengestaltung.
Von der Küche aus geht es auf die Terrasse, in deren Mitte ein großer, alter Bankirai- Holztisch steht. Geschützt durch einen Sonnenschirm und eingerahmt von Stühlen und Marmorhockern, die mehr als Gestaltungselement denn als bequemes Sitzmöbel eingesetzt werden, lädt der Tisch zum Frühstücken und Dinieren ein.
Vom Tisch aus ist die Sicht auf den gesamten Garten frei – auf die Marmorstufen zum Beispiel, die in die mit Rindenmulch aufgefüllte Pflanzenrabbatte führen. Hier strebt das Ehepaar noch eine Veränderung an, da „der Rindenmulch zwar schön aussieht, aber die Vögel es auch lieben, darin zu wühlen und die kleinen Schnitzel überall auf den Platten zu verteilen. Wir müssen ständig kehren.“
Über einen kleinen Weg, vorbei an einem kleinen Schieferbrunnen, der fleißig Wasser in die Höhe spuckt, geht es zu dem Lieblingsplatz der Gartenliebhaber – der überdachten Terrasse. Der Clou: Die Terrasse lässt sich im Winter als Wintergarten umfunktionieren und wird damit der perfekte Ort für den Winterschlaf der vielen Pflanzen. Wenn es kühler wird, werden auf der offenen Seite der Terrasse einfach zwei Aluminiumstreben angebracht und Glastüren eingesetzt, die den Raum abschließen – alle Teile sind fertige Elemente und damit leicht einsetzbar.
Im Garten selbst reihen sich akkurat geschnittene Buchsbäume in großen Terrakottatöpfen aneinander und eine kleine Treppe führt vorbei an Efeu, Bambus und Muscheln zu einer riesigen, tönernen Amphore, die in einer versteckten Ecke thront. Nicht nur die drei Katzen Charlie, Snoopy und Funny genießen es, hier herumzutollen, auch Igel und Waschbären besuchen die passionierten Golfer in ihrem städtischen und trotzdem ruhig gelegenen Garten.
Am Abend, wenn die kleinen Lichter in Form eines Mondes, einer Blume und eines Sterns den Garten erleuchten, stellt das Ehepaar fest: „Jetzt ist es so, wie wir es uns immer vorgestellt haben. Wir sind gerne draußen und seit wir unseren neuen Garten haben, noch viel lieber.“
Eva-Maria Biedenbach



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