Anwalt: Freitod nach Mobbing

Auch Polizisten erheben Vorwürfe - Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Gutachten

Anwalt: Freitod nach Mobbing

1301.02.1001.02.10|Hessen|10 Kommentare
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Frankfurt. Nach Steuerfahndern, die mit falschen Gutachten in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurden, erheben jetzt auch Frankfurter Polizeibeamte schwere Vorwürfe wegen Mobbings. Auch Polizisten sollen mit ähnlichen Gutachten für dienstunfähig erklärt worden sein.

© dpa

Harte Vorwürfe: Bei der Polizei in Frankfurt sollen Beamte gemobbt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bestätigte entsprechende Ermittlungen gegen zwei leitende Polizeiärzte und einen psychiatrischen Gutachter.

Der Verdacht des Mobbings gegen Polizisten gipfelt in einer Aussage des Rechtsanwaltes Peter Hartherz aus dem südhessischen Hammersbach. Hartherz bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung einen Bericht von hr-info, nach dem sein Bruder - ein Kriminaloberkommissar - sich nach einer vier Jahre dauernden beruflichen Leidensgeschichte in seinem Dienstzimmer erschossen hat.

Er sei ein engagierter Beamter gewesen, dem seine Arbeit zunächst immer Spaß gemacht habe. Nach der Festnahme eines Straftäters im Frankfurter Bahnhofsviertel sei er wegen Körperverletzung angezeigt worden. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Das stellte das Frankfurter Landgericht allerdings erst sechs Jahre später fest. Zwischenzeitlich sei der Beamte, so sein Bruder Peter Hartherz, zunächst suspendiert und dann in den Kriminaldauerdienst versetzt worden.

Auch nach dem Freispruch durch das Gericht sei noch fast ein Jahr vergangen, bis das Disziplinarverfahren offiziell beendet wurde. Nie habe es eine Entschuldigung gegeben. An dieser „unmenschlichen Behandlung“ sei der Beamte zerbrochen, so Hartherz.

Beamte juristisch beraten

Der Rechtsanwalt erklärte gegenüber unserer Zeitung weiter, allein er habe in den vergangenen zehn Jahren fast 25 Polizisten juristisch beraten, die sich gemobbt gefühlt hätten. Sie hätten sich wegen ungewollter Versetzung sowie vermeintlich unberechtigten Vorwürfen und Disziplinarverfahren an ihn gewandt. Oft sei er von Beamten gefragt worden, wie sie sich zu verhalten hätten. Dabei hätten viele darum gebeten, nicht nach außen in Erscheinung zu treten.

Das Polizeipräsidium Frankfurt betonte, Vorwürfe von Beamten würden stets sorgfältig geprüft. Zum Fall des toten Kriminaloberkommissars sagte Pressesprecher Jürgen Linker unserer Zeitung, bei dem Beamten sei ein Abschiedsbrief gefunden worden. In diesem seien ausschließlich private Gründe für den Freitod aufgeführt worden. Nach dem Urteil des Landgerichts habe abgewartet werden müssen, bis dieses rechtskräftig sei. Das erkläre den langen Zeitraum bis zum Ende des Disziplinarverfahrens.

Innenminister Volker Bouffier (CDU) und Landespolizeipräsident Norbert Nedela hatten bereits im Januar erklärt, es gebe kein systematisches Mobbing von Polizisten. Bouffier nannte entsprechende Vorwürfe „Unsinn“.

Von Peter Klebe

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