Nun fehlt noch Jamals Vater

Abgeschobener 17-jähriger Armenier zurück in Eschwege - Mitschüler machten sich für ihn stark

Nun fehlt noch Jamals Vater

413.08.1013.08.10|Hessen|3 Kommentare
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eschwege. Er ist wieder da: Jamal Sadkhyan (17) ist zurück zu Hause im nordhessischen Eschwege (Werra-Meißner-Kreis). Vor rund acht Monaten war der Jugendliche zusammen mit seinem Vater nach Armenien abgeschoben worden. Am Frankfurter Flughafen haben ihn jetzt 30 Mitschüler der Anne-Frank-Schule in Eschwege, Schulleiter Edgar Ingrisch, sein Fußballtrainer, seine Mutter und die Brüder empfangen.

Familie Sadkhyan ist überglücklich, Jamal wieder in die Arme schließen zu können. Von links: Bruder Alik, Mutter Porsor mit Baby Luan, Bruder Vito, Jamal und Schwägerin Gulisar Tamat. Foto: Albrecht

Familie Sadkhyan ist überglücklich, Jamal wieder in die Arme schließen zu können. Von links: Bruder Alik, Mutter Porsor mit Baby Luan, Bruder Vito, Jamal und Schwägerin Gulisar Tamat. Foto: Albrecht

Als die Behörden die Asylbewerber-Familie am 8. Dezember 2009 abschieben wollte, war Jamals älterer Bruder Vito nicht zu Hause. Alik war nach einer Blinddarmoperation nicht reisefähig. Die Mutter durfte bei ihm bleiben. Nur Jamal und sein Vater wurden schließlich ins Flugzeug nach Armenien gesetzt. Der Rest der 2002 eingereisten Familie sollte folgen, was zu einer Protestwelle führte: Die Schüler sammelten Spenden und demonstrierten. „Die hohe Zahl von Unterstützern war das Glück von Jamal“, sagt Jörg Klinge, Sprecher des Werra-Meißner-Kreises.

Die Härtefallkommission des Innenministeriums gestand Jamals Familie unterdessen ein Bleiberecht zu, sagt Klinge. „Unter der Voraussetzung, dass sie für den Lebensunterhalt sorgen können.“ Jamal selbst durfte zurückkehren, um seine Schulausbildung zu beenden. Der Vater hingegen lebt weiter im Wohncontainer am Stadtrand von Eriwan. „Den holen wir auch noch zurück“, hofft Bruder Alik.

„Schwere Zeit für mich“

„Es ist großartig, dass sich alle so sehr für mich eingesetzt haben“, sagt der 17-jährige Heimkehrer. Die acht Monate in Eriwan „waren eine schwere Zeit für mich, weil ich keine Beschäftigung hatte“, erzählt Jamal. Am Flughafen seien sie eine Woche lang festgehalten worden, sein Vater hält sich inzwischen mit dem Verkauf von Melonen über Wasser. Dass er ihn zurücklassen musste - darunter leidet der 17-Jährige.

An der Integrierten Gesamtschule in Eschwege muss Jamal jetzt die zehnte Klasse wiederholen. Montag geht’s los. Abi, dann Studium - das sind die Pläne des 17-Jährigen. Und sich, wie vor seiner Abschiebung, weiter sozial engagieren. Das lohne sich, sagt Jamal, weil etwas zurückkomme. „Er war der Beste unseres Jahrgangs“, meint Mitschülerin Nicole Dziurosz (16) über Jamal, der auch Stipendiat der gemeinnützigen Hertie-Stiftung ist. Die Stiftung fördert besonders begabte Kinder aus Zuwandererfamilien. Jamal habe sich „für alle eingesetzt“, so die ebenfalls 16-jährige Lisa Staufenberg.

Jetzt haben sich andere für Jamal starkgemacht: Sie konnten nicht nur die 1500 Euro für die Kosten der Abschiebung und das Geld für den Rückflug auftreiben. Die Schule hielt Kontakt übers Internet. Schulleiter Ingrisch unterzeichnete auch eine Erklärung, dass der Lebensunterhalt Jamals gesichert sei. Rund 400 Euro im Monat seien durch das Stipendium, einen Trainerjob beim Fußballverein und Deutsch-Nachhilfe garantiert. Der Förderverein der Schule setzt zudem auf MiniPatenschaften für Jamal.

Von Johanna Albrecht und Ira Schaible

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