Nordhessische Wirtschaft ist sauer über Aus für Autobahnbau

Nordhessische Wirtschaft ist sauer über Aus für Bundesstraße

2306.05.1006.05.10|Hessen|16 Kommentare
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Kassel. Während Umweltschützer, der hessische Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sowie die SPD das Aus für den Lückenschluss der Autobahn 4 von Olpe nach Hattenbach begrüßten, reagierte die nordhessische Wirtschaft gestern ausgesprochen sauer darauf.

„Das kann nicht das letzte Wort zur A 4 sein“, sagte Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel.

Über Jahre habe man sich in einem breiten Konsens aus Politik und Wirtschaft vertrauensvoll um eine tragfähige und ökonomisch wie ökologisch angemessene Lösung des Lückenschlusses bemüht. Diesen Weg habe „das Ministerium über die Medien verlassen“, kritisierte Spengler, ohne dabei Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) namentlich zu nennen.

Der hatte am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung das endgültige Aus für den Lückenschluss erklärt. Schon in der kommenden Woche will die IHK beim Jahresempfang das Thema wieder auf die Tagesordnung setzen, kündigte Spengler an.

Unterdessen hat SPD-Landes- und Fraktionsschef Thorsten Schäfer-Gümbel, erklärt: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese Pläne unsinnig sind.“ Die Ortsumgehungen, über die nun diskutiert werden solle, könnten nach seiner Ansicht längst fertig sein. „Die Regierung war aber aufgrund ihrer einseitigen Fixierung nicht in der Lage, die Alternativen zu sehen.“

Das ist ein später, aber dennoch richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte VCD-Landesgeschäftsführer Martin Mützel (Kassel) und forderte eine bessere Bahnverbindung für die Region um Frankenberg und Korbach. Wörtlich: „Lassen wir dem Steuerzahler die Milliarden für eine nutzlose Straße, investieren wir Millionen in eine nutzbringende Bahn“, spielte Mützel auf die jahrelang diskutierte und doch immer wieder verworfene Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Frankenberg und Korbach-Süd an.

Blankes Entsetzen herrscht vor Ort über die Entscheidung, die Autobahn nicht zu bauen. „Das ist eine Katastrophe“, sagte Wolfram Klawe (Löhlbach), Vorsitzender des Regionalausschusses Waldeck-Frankenberg der IHK. Den Firmen im Kreis Waldeck-Frankenberg fehlten Fach- und Führungskräfte. Für die seien die Standorte nur mit einer guten Fernstraßenanbindung attraktiv, sagte Klawe.

Der Straßenbauexperte der Grünen-Fraktion im Landtag, Frank Kaufmann, warf Posch „Straßenbauwut“ vor, die nur nur durch leere öffentliche Kassen gebremst werde. Kaufmann: „Wir können heute mit Befriedigung feststellen, dass das, wofür wir vor gut einem Jahr von CDU und FDP noch massiv gescholten wurden, nunmehr Inhalt der offiziellen Regierungspolitik von Schwarz-Gelb geworden ist.“ 

Der NABU Hessen und das Netzwerk "Stop-A4" begrüßten die klare Entscheidung des hessischen Verkehrsministers Dieter Posch gegen den geplanten Fernstraßenbau zwischen Olpe und Hattenbach. "Der unnachgiebige Widerstand vieler Naturschutzverbände und regionaler Bürgerinitiativen hat entscheidend zur Beerdigung des unsinnigen Straßenprojektes beigetragen", freut sich Hartmut Mai, Landes-Geschäftsführer des NABU Hessen über das Ende der A4-Planungen.

"In seiner Begründung für die Absage des Bauprojektes hat der Verkehrsminister bestätigt, was wir immer gesagt haben: Das Verkehrsaufkommen ist zu gering und die Fernstraße ist nicht finanzierbar", ergänzt Dr. Anne Archinal, Sprecherin des Netzwerks "Stop-A4".

Das Netzwerk "Stop-A4", dem über 50 Naturschutzverbände, Bürgerinitiativen und Parteigliederungen angehören, hatte mit vielen Öffentlichkeitsaktionen für die Beendigung der Natur zerstörenden Planungen gekämpft. Bei der Aktion ,Widerstandseichen' pflanzten die Straßenbaugegner überall entlang der geplanten Trasse junge Eichen als sichtbares Zeichen gegen den Bau der Fernstraße.

Noch im April hatte der NABU eine Widerstandseiche in Frankenberg in die Erde gesetzt. "Die Widerstandseichen sollen auch künftig Mahnmale gegen die Zerstörung der Natur durch Straßenbauprojekte sein", sagte Mai. "Sie sollen uns für die nächsten 300 Jahre daran erinnern, die schon mehrmals totgesagte A4 nie wieder aus der Versenkung zu holen." (jum)

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