Kassel / Wiesbaden. Wer aus dem Rathaus kommt, ist schlauer. Das jedenfalls behauptet ein altes Sprichwort. Um möglichst viele Bürger schlau zu machen, hat Hessens Landeshauptstadt Ende 2010 das Projekt „Klartext in Wiesbaden“ gestartet.
Das Ziel: Im Rathaus soll so gesprochen und geschrieben werden, dass Texte sich höflicher, verständlicher, geschlechtsneutral und einfacher lesen.
Jetzt will Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) Zwischenbilanz ziehen und nachprüfen, ob das Amtsdeutsch ordentlich entschlackt worden ist.
Kassel ist schon ein paar Jahre weiter als die Landeshauptstadt: In Nordhessen verordnete SPD-OB Bertram Hilgen seinem Rathaus schon 2007 eine neuen Umgangston: Freundlich und verständlich sollen Bürger seither bedient werden. Kurse für die Stadtverwaltung klärten übers richtige Briefschreiben auf. Formulare wurden entstaubt, ein Leitfaden formuliert. Texte, die von Paragrafen überschwemmt sind, Schachtelsätze und rätselhafte Abkürzungen sollen seither eigentlich tabu sein.
Die neuen Auszubildenden im Kasseler Rathaus werden regelmäßig geschult, sagt Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg: möglichst keine Fremdwörter in Briefen vom Amt, einfache Sätze, besser kurze als lange. Verben machen Texte verständlicher.
Wer richtig mitdenkt, schreibt dann nie wieder Satz-Ungeheuer wie „Nach Ausfüllung und Rücksendung des Antrags auf Heimunterbringung werde ich eine Klärung der Kostenübernahme herbei führen.“ Stattdessen heißt das: „Bitte schicken Sie mir den ausgefüllten Antrag zurück. Ich werde dann klären, ob die Kosten für das Heim übernommen werden.“
Falls das noch nicht klar genug ist, sagt Schweinsberg, darf nachgefragt werden: Briefeschreiber in der Verwaltung hinterlassen deshalb ihren Namen und ihre Telefonnummer.
Baumscheibe und OWiG verpönt
Billigkeitsmaßnahmen sollen im Wiesbadener Rathaus Ratenzahlung heißen.
Statt Feedback wird Rückmeldung empfohlen.
OWiG soll ausgeschrieben werden als Ordnungswidrigkeitsgesetz.
Baumscheibe heißt in Wiesbaden offener Bodenbereich um den Baumstamm.
Statt bei Verhinderung soll geschrieben werden sollten Sie verhindert sein.
Auch bitte und danke soll in der Rathauspost fleißig benutzt werden.
Das Netzwerk „Mensch zuerst“ mit Sitz in Kassel bietet ein Wörterbuch mit 400 Übersetzungen in Leichte Sprache an, von A wie Abmahnung bis Z wie zugänglich.
Internet: www.people1.de
Von Wolfgang Riek



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