224.02.1024.02.10|Rotenburg/Bebra|1 Kommentar
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Rockensüss. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war sich Hartmut Münster-Baumgarten ganz sicher: Er wollte keine Kinder in die Welt setzen. Heute, 20 Jahre später, hat er mit seiner Frau Elisabeth sechs Söhne und eine Tochter. Sein Jüngster, der knapp drei Monate alte Marius, ist jetzt Ehrenpatenkind des Bundespräsidenten. Ein Grund für uns, der Familie in Rockensüß einen Besuch abzustatten.

Für das Familienfoto haben die Münsters den großen Küchentisch zur Seite geschoben. Hinten von links: Tim, Kevin, Patrick, Elisabeth und Hartmut. Vorne von links: Philipp, Harry, Lisa. Alle zeigen auf den kleinen Marius. Fotos: Meyer
Hartmut und Elisabeth, Kevin, Tim, Patrick, Harry, Lisa und Philipp haben sich um den Küchentisch versammelt. Die Mutter hält Säugling Marius im Arm, der friedlich schlummert. Hartmut erzählt: Kevin wurde 1994 geboren, da lebten die Eltern in Paderborn. Nach zwei weiteren Jungs wollte Elisabeth unbedingt eine Tochter. Dann wurde Harry geboren, „und dann kam’s auf den einen auch nicht mehr an“, sagt Hartmut, und die Kinder am Tisch schmunzeln. Es folgten noch Lisa, Philipp und Marius.
Wie funktioniert so eine Großfamilie? Um fünf stehen die Eltern auf. Nach dem Kampf ums Badezimmer gibt’s Frühstück, und dann werden alle Kinder auf die verschiedenen Schulen und Kindergärten verteilt. Jeden Tag laufen drei Ladungen Wäsche durch die Maschine und den Trockner. Um fünf am Nachmittag kommt Hartmut von der Arbeit und übernimmt, wie er augenzwinkernd sagt, die Spätschicht. Samstags wird eingekauft. Elisabeth: „Alles in XXL.“
Wird auch heftig gestritten? Die Kinder in der Küche schütteln die Köpfe. „Die sind so erzogen, dass sie zusammenhalten“, sagt Hartmut knapp. Dass in der Familie Harmonie herrscht, spiegelt sich darin, dass der kleine Ehrenpate Marius während des Gesprächs von Arm zu Arm gereicht wird. Auch der dreijährige Philipp darf Marius halten und geht sorgsam mit dem kleinen Bruder um.
Vor drei Jahren zogen die Münster-Baumgartens von Westfalen zurück nach Rockensüß, wo Hartmut seine Kindheit verbrachte. Dass sie es mit der Kinderschar nicht leicht haben, liegt nicht an den Kindern selbst: Manche, so erzählen sie, betrachteten die Familie wegen der vielen Kinder als „asozial“. Dabei entsteht hier am Küchentisch ein ganz gegensätzlicher Eindruck: Hartmut ist es wichtig, so sagt er, dass seine Kinder in der Schule für Schwächere eintreten. Er selbst arbeitet in den sozialen Förderstätten in Bebra mit Behinderten. „Ein Sechser im Lotto, dieser Beruf“, sagt Hartmut. „Viele können das nicht verstehen.“
Die Ehrepatenschaft des Bundespräsidenten lässt sich für das siebte Kind einer Familie beantragen. Die Idee für den Antrag stammte nicht von den Eltern. Bürgermeister Achim Großkurth leitete das in die Wege. Der Bundespräsident schickte eine Urkunde und ein Foto. Die Münster-Baumgartens rätseln darüber, ob Horst Köhler darauf eigenhändig unterschrieben hat.
„Man kann dem Herrgott gar nicht genug danken, dass alle gesund sind.“
Hartmut Münster-Baumbarten
Warum entschied sich Hartmut Münster-Baumgarten im Alter von 30 Jahren doch dafür, Kinder zu bekommen? Es war der frühe Tod der eigenen Mutter, der ihn umdenken ließ. Heute sagt er: „Kinder sind der einzige Sinn im Leben. Wofür wär’ man sonst hier gewesen? Man kann dem Herrgott gar nicht genug danken, dass alle gesund sind.“
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Von Achim Meyer
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