Philippsthal. Eine lange Liste von sachlich falschen, unvollständigen, einseitigen und verzerrenden Darstellungen der Kali-Industrie und ihrer Auswirkungen auf die Umwelt – so beschreibt der Vorstand der K+S Kali GmbH in Kassel die Sendung „Salz – Segen und Fluch des weißen Goldes“, die das Zweite Deutsche Fernsehen am 17. Februar in der Reihe „Abenteuer Wissen“ ausstrahlte.
Die Unternehmensleitung, namentlich die Vorstandsmitglieder Dr. Ernst Andres und Dr. Ralf Diekman, hat deshalb förmliche Programmbeschwerde beim Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrats, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz, eingelegt.
Diese Kritik des betroffenen Unternehmens wird flankiert von einer im Kern gleichlautenden Beschwerde des Runden Tisches, der sich seit 2007 unter dem Vorsitz von Professor Dr. Hans Brinckmann mit dem Problem der Werraversalzung beschäftigt und eigentlich nicht im Verdacht steht, K+S nach dem Mund zu reden.
In Kenntnis dieser Beschwerden beschloss die Gemeindevertretung von Philippsthal am Montagabend einstimmig und ohne weitere Aussprache, sich dem Protest gegen die ZDF-Sendung anzuschließen. Die Bürgermeister der Kali-Kommunen Philippsthal und Heringen, Ralf Orth und Hans Ries, hatten zuvor schon einen gemeinsamen Protestbrief nach Mainz geschickt.
Was die Kritiker den Autoren des ZDF-Beitrags vorwerfen: Während in dem Film von tickenden Zeitbomben, toten Gewässern und giftigem Abfall aus der Unterwelt die Rede ist, werden sämtliche Erfolge bei der Reduzierung der Salzabwässer durch neue technische Verfahren und das 2008 beschlossene Maßnahmenpaket von K+S im Wert von 360 Millionen Euro verschwiegen.
Der K+S-Vorstand weist in seinem Beschwerdeschreiben darauf hin, dass die Abwassermenge im hessisch-thüringischen Kali-Revier durch neue Techniken der Rohsalz-Aufbereitung von über 40 Millionen Kubikmeter im Jahr 1970 auf 20 Millionen Kubikmeter 1997 und schließlich auf 14 Millionen 2006 reduziert werden konnte. Für 2015 sei eine Halbierung auf 7 Millionen Kubikmeter geplant. Die Werra sei wieder ein begehrtes Angelrevier.
Auch Bürgermeister Orth erklärte am Montagabend vor der Gemeindevertretung, weder Vertreter der betroffenen Gemeinden noch von Kali und Salz seien bei den Recherchen zu dem ZDF-Beitrag befragt worden. Die gezeigten Szenen aus den Kaliwerken seien Archivmaterial. Das passe eigentlich nicht zu einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt.
Eine derart düstere, deutschlandweit ausgestrahlte Darstellung der angeblichen Lebensverhältnisse im Werratal liefen den Bemühungen der Gemeinde um die Ansiedlung neuer Familien entgegen, sagte Orth. Er selbst sei mit seiner Familie ins Werratal zugezogen und fühle sich hier wohl.
Der K+S-Vorstand erwartet, dass das ZDF „den durch die Sendung fälschlicherweise entstandenen Eindruck korrigiert und künftig auf eine ausgewogene Berichterstattung achtet.“ Rechtsmittel behält man sich vor.
Die Sendung im Internet: http://abenteuerwissen.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,8032158,00.html
Von Peter Lenz



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